Auf den Kopf gestellt: OERlabs als adaptiv-evolutionäre Strategie (Einreichung GMW17)

Die Gesellschaft für Medien in der Wissenschaft e.V. (GMW) lädt im September nach Chemnitz zur „Bildungsräume 2017“-Konferenz. Das Learning Lab Duisburg-Essen hat in diesem Kontext gemeinsam mit der Universität Hamburg  einen offenen Call for Activities für OER-Strategien gestartet, an welcher wir uns mit einer Einreichung beteiligt haben (siehe unten). Der Workshop findet am 05.09.2017, 9:00 Uhr statt.

Flipped-Beitrag: Über die OERlabs

Für die Vorstellung des Projekts wurden wir gebeten, vorab einen Flipped-Beitrag anzubieten, welcher die Projekthintergründe der Einreichung erläutert. Wir nutzen hierfür die erste Episode unseres Bildungsshaker-Podcasts sowie das vom ZFL Köln produzierte Interview zu Mehrwerten von OER – Fragen zum Projekte gerne schon in den Kommentaren stellen!

Unsere Einreichung


Einreichung des BMBF-geförderten Verbundprojekts OERlabs für den GMW-Workshop „Freie Bildungsmaterialien für offene Lernräume: OER-Strategien an Hochschulen“ am 05.09.2017

Auf den Kopf gestellt: OERlabs als adaptiv-evolutionäre Strategie

Matthias Andrasch, Jun.-Prof. Dr. Sandra Hofhues, Bence Lukács (alle Universität zu Köln), Constanze Reder & Jun.-Prof. Dr. Mandy Schiefner-Rohs (beide TU Kaiserslautern)

– Abstract –

Die Etablierung alternativer Bildungspraktiken stellt sowohl Schulen als auch Hochschulen vor Herausforderungen: Ein grundlegendes Problem besteht in der selektiven Akzeptanz von Innovationen unter den Akteur*innen. Neuerungen werden häufig nur in Teilbereichen und Nischen akzeptiert. Ebenso bringen bereits Lehramtsstudierende ganz eigene Vorstellungen von Lehren, Lernen und Medien mit ins Studium.

Lehrer*innenbildung steht damit an einer wichtigen Schnittstelle zwischen berufsbiographischen Entwicklungsaufgaben, Hochschulalltag und Schulpraxis. Um hier Potenziale für neue Bildungspraktiken entfalten zu können, haben sich die Universität zu Köln und die TU Kaiserslautern als Ziel gesetzt, die Beschäftigung und den selbstverständlichen Umgang mit Open Educational Resources (OER) an Hochschulen in Form von OERlabs voranzutreiben. Mit den BMBF-geförderten OERlabs (Förderkennzeichen: 01PO16018a+b) sollen Räume geschaffen werden, in denen (Lehramts-)Studierende mit Lehrenden und Akteur*innen aus der Medien- bzw. Schulpraxis zusammenkommen, um sich mit OER zu beschäftigen, sie zu nutzen und OER gemeinsam zu re-mixen und zu teilen. Ebenso werden Multistakeholder-Dialoge mit den jeweiligen Prorektoren für Studium und Lehre sowie allen medienbezogenen Einrichtungen an den Universitäten und in der Lehrer*innenbildung aufgebaut, um über OER und Lehrfragen auf allen Gestaltungsebenen zu diskutieren.

Dazu bedarf es einer schrittweisen Entwicklung von Strategien und Maßnahmen, die Routinen hinterfragen und damit Gewohntes „auf den Kopf“ stellen. Hier setzen die OERlabs an, denn die Bearbeitung des Phänomens OER wird kollaborativ und mit möglichst vielfältigen Akteur*innen initiiert bzw. Angebote und Einladungen werden hierfür unterbreitet. Das Labor als Metapher soll vor allem kommunikativ anschlussfähig sein und eine Öffnung hin zu kreativen und sozialen Räume ermöglichen. Unter dem Laborbegriff werden OER-Seminare auf der einen Seite als physische Orte zur Auseinandersetzung mit Fachwissen verstanden; im Multistakeholder-Dialog werden Diskussionen über die Rolle von OER in formalen Bildungseinrichtungen ausgetragen. Auf der anderen Seite stellen die OERlabs einen symbolischen Raum dar, in dem Ideen zur Medienbildung entlang der Lehrer*innenbildungskette gesammelt und ausgetauscht werden. Dadurch verändert sich der Fokus von traditionellen Lehrformaten, z.B. Vorlesungen, Seminaren, Tutorien oder Selbststudium, hin zum offenen und flexiblen Experimentieren. So können Studierende, Lehrer*innen und sonstige Interessierte gemeinsam das Phänomen OER als Laborant*innen erarbeiten. In weiterer Folge wird die gemeinsame und individuelle (Aus-)Gestaltung dieses Raumes (z.B. als Makerspace, durch Hacking Education oder durch Diskurse über Digitalisierung) die OERlabs prägen (Hofhues & Schiefner-Rohs, i.Dr.; Wolf et al., 2011).

Wir verstehen die OERlabs daher als Anknüpfungspunkt an ältere Diskussionen in der Lehrer*innenbildung (z.B. hinsichtlich Kooperation oder Professionalisierung). Denn die Beschäftigung mit einem medialen Phänomen kann zur Bearbeitung längst angezeigter, früherer Probleme in Universitäten und Schulen anregen (Schiefner-Rohs & Hofhues, i.Dr.). Darüber hinaus besitzen die OERlabs als soziale Aktivität das Potenzial, innovativ im Hinblick auf vier Dimensionen zu wirken: 1. die Veränderung medialer Handlungspraktiken (Kollaboration), 2. die Arbeit an Wissen bzw. Haltungen aller Beteiligter, die als 3. Grundlage für die Praktiken dienen, sowie 4. materielle, soziale und organisationale Strukturen (Austausch über Medien, Lehren und Lernen), die für diese Praktiken den Rahmen bilden (im Sinne der adaptiv-evolutionären Strategie nach Altrichter & Wiesinger, 2005).

Ziel unseres Beitrages ist es, mit den OERlabs eine bottom-up-Initiative vorzustellen und deren Beitrag zu Lehrer*innenbildung und pädagogischer Hochschulentwicklung zu diskutieren.

Literatur

Altrichter, H. & Wiesinger, S. (2005). Implementation von Schulinnovationen – aktuelle Hoffnungen und Forschungswissen. Journal für Schulentwicklung, 4/2005, 28–36.

Hofhues, S. & Schiefner-Rohs, M. (in Druck). Vom Labor zum medialen Bildungsraum: Hochschul- und Mediendidaktik nach Bologna. In C. Igel (Hrsg.), Bildungsräume 2017. Jahrestagung von Delfi und GMW. Münster: Waxmann. Verfügbar bei Researchgate.

Schiefner-Rohs, M. & Hofhues, S. (eingereicht). Zurück in die Zukunft. Anforderungen an Medienbildung in der Lehrer*innenbildung am Beispiel eines Praxis- und Entwicklungsprojekts. OnlineZeitschrift Medienpädagogik. (weitere Daten noch nicht bekannt.)

Wolf, K.D., Duwe, W. & Rummler, K. (2011). Medienbildung als Prozess der Unsgestaltung zwischen formaler Medienerziehung und informeller Medienaneignung. MedienPädagogik. Zeitschrift für Theorie und Praxis der Medienbildung. 20, 137-158. http://www.medienpaed.com/article/view/399


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