„OER meets gute Lehre“ – Multistakeholder-Dialog (MSD) an der Universität zu Köln

Der Multistakeholder-Dialog an der Universität zu Köln ist abgeschlossen, die vorläufigen Ergebnisse finden sich auf dieser Seite – weiterhin wird ein #OpenBook zum Projektabschluss im Herbst veröffentlicht, sodass andere den Dialogprozess für eigene Zwecke adaptieren können.

Prorektor Ansgar Büschges, JProf. Dr. Sandra Hofhues, Bence Lukács, Matthias Andrasch, Aliaksandra Kavalskaya, Felix Husemann, Stefan Herzig (Präsident TH Köln) bei der Abschlussveranstaltung der OERlabs am 5. Juli 2018

Die Ergebnisse

Was ist ein Multistakeholder-Dialog?

Ein Ablaufplan mit einer Linie, die mehrere Kreise zieht und den Terminen aus dem Terminplan (siehe unten)
Ablaufplan des Multistakeholder-Dialog an der Universität zu Köln

In den Dialog-Veranstaltungen kommen mehrere Stakeholder (Interessenvertreter*innen) zusammen, um gemeinsam Themen- oder Fragestellungen zu bearbeiten. Die eingeladenen Personen bringen hierbei ihre vielfältigen Perspektiven mit in den Dialog ein, treten aber auch in den offenen Austausch mit- und untereinander. Der Multistakeholder-Dialog in den OERlabs soll also kein klassisches Gremium oder eine Arbeitsgruppe sein, sondern einen möglichst offenen Rahmen für Ideen, Fragen und neue Ansätze schaffen, welche kollaborativ entwickelt werden. Neben Vertreter*innen der Institute und Einrichtungen der Universität zu Köln werden selbstverständlich Studierende beteiligt. Die Veranstaltungen sind ein Prozess, an dessen Ende mögliche Lösungsansätze für offene Praktiken und OER im Kontext der Lehramtsausbildung stehen sollen.

Wie ist der aktuelle Stand?

Der Dialogprozess ist vorerst beendet, die Debatte um Offenheit aber noch lange nicht abgeschlossen 😉 Die Teilnehmer*innen-Ergebnisse des dritten Multistakeholder-Dialogs (Wirkungs-Aufwands-Matrix) sowie ein 10-Punkte-Plan für OER wurden stellvertretend für die Hochschulleitung an Ansgar Büschges, Prorektor für wissenschaftliches Personal und Nachwuchs am 5. Juli 2018 überreicht und online freigeschaltet. Ebenfalls anwesend bei der Überreichung war der Präsident der TH Köln, Stefan Herzig, welcher bei der ersten Dialogveranstaltung noch als Prorektor der Universität zu Köln Schirmherr für die OERlabs war. Unser Dank gilt allen Unterstützer*innen und aktiven Teilnehmer*innen!

Fotos vom Abschluss: Felix Husemann (Nicht unter freier Lizenz)

Prozessdokumentation

  1. Bericht zum Auftakttermin 14.12.2017: „Wie sollte eine Schule auf dem Mars aussehen?“ ; Auftakt des Multistakeholder-Dialogs in Köln | Podcast-Episode MSDI
  2. Bericht zum zweiten Termin 11.01.2018: „Wie fließt Wissen im Lehramt?“ – Multistakeholder-Dialog Nr. 2 an der Universität zu Köln Podcast-Episode MSDII
  3. Bericht zum OpenLab „MS OER“
  4. Bericht zum dritten MSD (19.04.2018): Lösungen gesucht: Multistakeholder-Dialog Nr. 3 an der Universität zu Köln | Podcast-Episode MSDIII
  5. Bericht zum studentischen Open Lab (14.06.2018): #OpenLab mit André Hermes: Unterrichtsmaterial und Wissen im Internet teilen?
  6. Bericht zum vierten MSD (05.07.2018): auf dieser Seite

Die Ergebnisse des Multistakeholder-Dialogs

Keynote der Abschlusspräsentation

Video nachnutzbar als CC BY 4.0, Foliensatz ansehen: Mahara PH Wien – OERlabs MSD

Der 10-Punkte-Plan für OER

Interaktive Präsentation

Diese Lösungs- und Herausforderungsbeschreibungen wurden beim dritten MSD (19.04.) erstellt gemeinsam in einer Kleingruppe auf einer Wirkungs-Aufwands-Matrix verortet.


Interaktive Präsentation (CC BY 4.0)

Lösungen und Herausforderungen 1-23

Diese Lösungs- und Herausforderungsbeschreibungen wurden beim dritten MSD (19.04.) erstellt und gemeinsam in einer Kleingruppe auf einer Wirkungs-Aufwands-Matrix verortet. Die Teilnehmer*innen hatten hierfür ein Zeitfenster von einer Stunde.

1 – Ideensammlung
Autor/in: Sebastian Arz
Lösung: Eine Plattform (ILIAS?), auf der alle Produkte aus allen Seminaren gesammelt werden.
Projekt Wiki
für Herausforderung:
Studierende*r möchte Zugriff auf alle in BFP-Seminaren erstellte Produkte haben.

2 – Haltung des Teilens
Lösung:

  • Gesprächsanlässe bilden, um offene Haltung zu fördern: Fehler in der Lehre, Unsicherheiten, Scheitern.
  • Alternativer Austausch: in der Gruppe, Feedbackkultur, Rückmeldung, Besprechung.

für Herausforderung:

  • Teilen ist unter LuL kein Habitus, falsch verstandene Haltung zu Fehlern, alles muss perfekt sein.
  • Stellenwert von Lehrern nicht in der richtigen Perspektive/Rolle

3 – Bildungstöpfe
Lösung:
Bildungstöpfe:
↳Kultur
↳Wirtschaft?
⇒ bisher nur Lösung: kurzfristige Lösungen
↳oder für Randgruppen

für Herausforderung:
Wer würde mich „bezahlen“, wenn ich OER-Produkte herstellen möchte?
↳ ansonsten zeitliche Herausforderung

4 – Angst vor Kritik
Lösung:
„Social Media Training“ für Lehrkräfte
→ Feedback-Kultur kennenlernen, Diskussionsfähigkeit, Ausdrucksmöglichkeiten für Kritik
→ Moderierte Communities, Kontrolle von Trolls und ggf. Bots

für Herausforderung:
Lehrkraft möchte Kolleg*innen überzeugen, OER online zu teilen, diese haben aber Vorbehalte, in Communities kritisiert oder bloßgestellt zu werden.

5 – Diskussion um Qualitätsmanagement
Lösung:

  • Qualitätsmindeststandards für Communities einführen, die aus der Gruppe festgelegt werden und allgemeine Mindestanforderungen erfüllen.
    • wissenschaftlich/-formal/-Klarheit/-perspektivische Einordnung

für Herausforderung:
Lehrkräfte sind häufig so entnervt von der fehlenden Qualität der Materialien anderer, dass sie sich doch wieder „verlagsähnliche“ Qualitätskontrollen wünschen oder OER nicht nutzen.

6 – OER – Aktivitäten in der Uni durch Öffentlichkeitsarbeit bekannt machen
Lösung:

  • Nutzung von digitalen + analogen Medien für die PR-Arbeit, z. B. Print-Magazin, Homepage, Social Media
  • Auswahl der Medien + Aufbereitung des Themas anhand der jeweils angestrebten Zielgruppe
  • Ermitteln von Beispielen, wie OER in der Uni umgesetzt wird
  • Beispiele in die PR-Texte/Medien mit aufnehmen oder sogar zum Anlass machen

für Herausforderung:

  • Bewerbung der OER-Aktivitäten in der UzK
  • Bewusstsein/Bekanntheitsgrad für OER in der Uni erhöhenZum Erstellen/Nutzen von OER auf Seiten der Dozierenden und Studierenden motivieren

7 – Grunderfahrung im Umgang mit OER
Autor/in: Sebastian Arz
Lösung:
Ein Seminar (ähnlich wie das BFP-Seminar „Mobile Learning“) im Studium verankern, in dem Studierende OER kennenlernen und den Umgang damit lernen.

für Herausforderung:
Grundlegende Erfahrungen im Umgang mit OER sollten allen Studierenden in der Lehrerausbildung dargelegt werden.
→ größere Bekanntheit von OER unter (angehenden) Lehrern

8 –  Stets auf Lizenzierung achten
Autor/in: Maren Schmiedt
Lösung:
nur Material verwenden mit Lizenzen, aber schwierig

für Herausforderung:
Angenommen man möchte sein produziertes Material veröffentlichen & verwendet dann allerdings Wissen/Ideen von anderen.
↪ muss man alles belegen, kann es z. B. auf Arbeitsblättern oder Spielbrettern eng werden.

9 – OER-Plattformen für aktive Verbreitung
Autor/in: Maren Schmiedt
Lösung:
gibt es bereits OER-Plattformen?

für Herausforderung:
Wie verbreite ich mein produziertes Material so, dass es auch möglichst viele Menschen & insbesondere Zielgruppe erreicht?

10 – Ideensammlung II
Autor/in: Maren Schmiedt
Lösung:
es gibt zwar bestimmte Seiten, aber nicht zu allen Themen Bilder
↪ wäre gut & notwendig

für Herausforderung:
Projekte/Powerpoints für Uni erstellen
↪ Bildersuche
↪ welche darf man in welchem Umfang & wie verwenden?
↪ Quellenchaos

11 – Einbindung von aktiven Lehrkräften
Autor/in: Sebastian Arz
Lösung:
Schulungen für Lehrkräfte anbieten, in denen vor allem der Nutzen ersichtlich wird, den Lehrkräfte aus einer weböffentlichen Kooperation untereinander ziehen können.

für Herausforderung:
Schon aktive Lehrer könnten eine Abneigung gegen etwas Neues wie OER haben, nach dem Motto „Ich bin 10 Jahre ohne klar gekommen“.

12 – Über den Tellerrand schauen: LuL für OER ausbilden
Lösung:
→ Die OVPs des Landes NRW bzw. die Ausbildungsinhalte für LuL (auch, bzw. besonders ReferendarInnen) sollten dahingehend angepasst werden, dass Praktiken des Teilens und Remixens (L-Kooperation) verankert werden.

für Herausforderung:
→ LuL müssen an Praktiken der Kooperation mit und in digitalen Medien herangeführt werden.

13 – Verbreitung von OER-Ressourcen
Autor/in: Ralf Depping

Lösung:
⇒ Zusammenarbeit mit Informationsspezialisten/Bibliotheken
⇒ technische Schnittstellen/Open-Data-Technologie
⇒ Metadaten
⇒ Vernetzung/zentrales Repositorium
⇒ zuverlässige URLs ⇒ DOI
⇒ Nutzung bestehender Infrastrukturen für andere Publikationsformen

für Herausforderung:
wie gelingt es, die selbst produzierten OER-Ressourcen so bekannt zu machen, dass sie intensiv genutzt werden (⇒ bei einer Google-Suche gut gefunden werden)

14 – Vom Teilen und Remixen: Open Educational Practices etablieren!
Lösung:
⇒ LuL sollten OER nicht nur erstellen und teilen, sondern ihre SuS auch dazu anleiten, das Material selbst zu adaptieren und in ihre persönliche Lernumgebung zu integrieren. „Open“ sollten nämlich nicht nur die Materialien, sondern auch die dahinterliegenden Bildungspraktiken sein.
für Herausforderung:
⇒ OER an sich haben zwar schon viele Vorteile, doch geht ihr eigenes Potenzial über das Erstellen und Teilen hinaus: Die Frage ist, wie sich mit und über OER Praktiken etablieren lassen, die auch die Lernenden involvieren.

15 – Sensibilisierung für OER Informieren über OER – Bekanntheit steigern
Autor/in: Anja Ernicke
Lösung:
Auf der Bibliothekswebsite über das Prinzip OER und die Auffindbarkeit von OER informieren. Dazu gehört die Bereitstellung von Informationen und Materialien zu  Fragestellungen wie:

  • Was sind OER?
  • Wie können OER gefunden werden?
  • Welche Plattformen stellen OER bereit?
  • Wie können OER erstellt bzw. nachgenutzt werden?

für Herausforderung:
Wie gelingt es, OER bei verschiedenen Nutzergruppen der Bibliothek (z.B. StudentInnen, LehrerInnen) bekannt zu machen? Die Universitätsbibliothek möchte für das Thema sensibilisieren und über bestehende Angebote und Plattformen zu OER informieren.

16 – Vorgabe: OER in PPT verwenden
Lösung:
Referenten vorab bitten, in ihren Präsentationen OER zu verwenden.

für Herausforderung:
Nach einer Tagung des Instituts soll diese dokumentiert werden, d. h. auch die Powerpoint-Präsentation der Referenten. Problem: Bilder/Grafiken etc. Diese müssen in der Regel entfernt werden.

17 – Information: Leitlinien Fortbildungen
Lösung:
Klaren Rahmen definieren, wie wann welche Materialien genutzt werden dürfen und wie mit ihnen umgegangen werden darf (Stichwort Remix).
→ Fortbildungen
→ Absicherung durch Leitlinien usw.

für Herausforderung:
Dozierende stellen Materialien nicht in dem Umfang zur Verfügung, wie sie eigentlich könnten und auch wollen würden, da sie durch die Rechtslage (Urheberrecht, Lizenzierung, etc.) verunsichert sind.

18 – Community Building und Austauschformate
Lösung:
Plattform schaffen → Community Building
Train – the – Trainer
Hacky Hour
Selbstorganisation (?)

für Herausforderung:
Als Infastrukturdienstleister möchte ich die Lehrenden am Standort zu OER unterstützen.
Wie kann ich Interessierte besser oder entsprechend vernetzen?
(Skalierung)

19 – Rechtssichere Präsentation von Lehrenden
Lösung:
Das Netzwerk Medien bietet ein umfassendes Beratungskonzept zum Thema OER an. Da es in der täglichen Arbeit der Medienzentrumsmitarbeiter viele Berührungspunkte und Kontaktszenarien zu Dozierenden gibt, haben Medienzentren die Chance, Dozierende direkt über OER zu informieren und sie dafür zu sensibilisieren. OER-Beratung würde auch OER-Workshops für Lehrende umfassen.

für Herausforderung:
Dozierende wünschen sich einen Rahmen, in dem sie sich „rechtssicher“ bewegen können. Sie möchten wissen, wie sie ihre Präsentationen so gestalten können, dass sie urheber- und nutzungsrechtlich korrekt sind. Diesbezüglich herrscht große Unsicherheit unter den Lehrenden.

20 – Qualitätssicherung über Plattformen
Lösung:
Technische Plattform, die Kommentare, Voting oder Peer-review zulässt. Einigung über Qualitätskriterien und Beurteilungs-Modus

für Herausforderung:
Wie kann man die Qualitätssicherung der Inhalte unterstützen?

21 – Urheberrechtsproblematik bei Projektstart sofort mitdenken
Lösung:
Anstatt auf Schulbuchseiten auf OER-Materialien zurückgreifen, eigene Materialien/Bilder etc. erstellen und diese einsetzen (als OER).
In Zukunft bei Projektstart die Problematik sofort mitdenken.

für Herausforderung:
Ein von unserem Institut gefördertes Projekt hat Lehr- und /Lernmaterialien für die Hochschullehre entwickelt und möchte diese über eine Datenbank/Open Access zur Verfügung stellen. Problem = fehlende Urheberrechte (z. B. von  Schulbuchseiten) → Daher kommt die Veröffentlichung der Materialien nicht voran.

22 – Plattform I: Gute Sortierung/Kategorisierung
Lösung:
(Online-) Plattform, auf der Materialien einheitlich lizenziert und vernünftig getaggt zu finden sind.
→ Super Perspektive für Schule und Differenzierung!

für Herausforderung:
Person XY würde gerne Remixen, weiß aber nicht, wo Material zu beziehen ist bzw. welches Material überhaupt in Frage kommt.

23 -Plattform II: Richtlinien für Autor*innen
Lösung:
Plattform! mit Richtlinien für Lizenzierung, Kategorisierung, Tags usw., auf der Materialien geteilt werden können.

für Herausforderung:
Ein*e Autor*in hat gutes Material erstellt, es einmal genutzt und nun verschwinden viele Stunden Arbeit in der Versenkung.

Matrix nachnutzen

Grafik nachnutzen: Google Drive Zeichnung (CC BY 4.0)

https://twitter.com/OERlabs/status/1014899573565935617

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