Transkript der Podcast-Episode 18: Der Herr der Fehler – Der zweite MSD In Kaiserslautern

 

Creative Commons Lizenzvertrag Gerne weiterverwenden! Dieser Podcast ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz. Der Urheber soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Projekt „OERlabs“ (oerlabs.de).

 

Matthias Andrasch: Hallo und herzlich willkommen beim Bildungshakerpodcast, der Podcast des BMBF Projekts OERlabs Lehramtsstudierende gemeinsam für OER ausbilden”. Wir sitzen heute in der TU Kaiserslautern, ich freue mich sehr darüber, dass ich heute mal zwei Personen gegenüber sitze. Grüße an Bence, der in Köln bleiben musste. Ich sitze heute einmal mit Mandy Schiefner-Rohs zusammen – eine große Ehre dich wieder im Podcast zu haben. Und Constanze Reder, die hier an der TU Kaiserslautern wissenschaftliche Mitarbeiterin ist, und die ihr im Podcast ja auch schon öfter gehört habt.

Genau. Ich bin heute nach Kaiserslautern gekommen, weil der zweite Multistakeholderdialog, den wir MSD meistens abkürzen, an der TU Kaiserslautern durchgeführt wurde. Und ich würde jetzt einfach euch mal das Wort übergeben, dass ihr mal erzählt, was heute der Plan war, dann können wir später darüber reden, wie der Plan dann in die Tat umgesetzt wurde.

Constanze Reder: Oder auch nicht. Genau, also wir haben den zweiten Runden Tisch hier an der TU Kaiserslautern geplant zum Thema OER meet LehrerInnenbildung” und dementsprechend den Fokus nochmal stärker auf Schule gelegt. Der erste Runde Tisch im Dezember hatte ja vor allem Hochschulakteure hier an der TU im Fokus, mit denen wir uns auseinandergesetzt hatten. Und haben gemeint, wir würden gerne noch mal stärker in die Schule und die LehrerInnenbildung gehen. Deswegen tatsächlich war der Fokus noch mal auf diesem Segment. Geplant war, dass wir hier alle Akteurinnen und Akteure einladen, die mit Lehrerbildung im weitesten Sinne zu tun haben. Natürlich hier an der Uni die Fachdidaktik, die Bildungswissenschaften, das Zentrum für Lehrerbildung, das wir eingeladen haben, und dann sukzessive den Kreis vergrößert, indem wir die Netzwerkschulen der TU Kaiserslautern angesprochen haben, die Studienseminare, das pädagogische Landesinstitut und das Bildungsministerium in Rheinland-Pfalz und im Saarland. Also tatsächlich versucht, möglichst alle Player der Region, die im Bereich Lehrerbildung zu tun haben, an einen Tisch zu bringen.

Mandy Schiefner-Rohs: Grenzübergreifend.

Constanze  Reder: Genau, die große Grenze zwischen dem Saarland und Rheinland-Pfalz.

Mandy Schiefner-Rohs: Es ist ja auch tatsächlich im Sinne des Süd-West-Verbunds, weil ja auch viele Studierende bei uns ihr Lehramtsstudium nicht nur in Kaiserslautern, sondern auch in Saarbrücken in Form des Süd-West-Verbunds absolvieren. Von daher ist es schon sinnvoll, die beiden schon etwas zusammenzudenken. 

Constanze Reder: Eingeladen waren alle, gekommen sind letztendlich fast 20 Vertreterinnen und Vertreter, quer durch, wir hatten sogar einen Schüler dabei.

Mandy Schiefner-Rohs: Einen frischen Abiturienten.

Constanze  Reder: Einen frischen Abiturienten, der zumindest – aus meiner Perspektive – noch einmal andere Aspekte in die Diskussion gebracht hat. Ich bin ganz zufrieden mit dem Tag. Und ich glaube, es machte noch einmal die Komplexität des Themas deutlich, wenn wir es nicht nur als Hochschulentwicklungsprojekt deuten, da ist es schon komplex genug, sondern auch noch mal weitere Akteurinnen und Akteure aus anderen Institutionen, mit anderen Rahmenbedingungen, usw. und so fort, im Gespräch miteinander haben.

Mandy Schiefner-Rohs: Ja nicht nur Rahmenbedingungen, auch Aufträge. Ich habe auch sehr das Gefühl gehabt, dass die Schulen in den Rahmenbedingungen denken, die ihnen gegeben sind, aber die Akteure, die wir sonst noch dabei haben, sehr auch in diesem Auftrag, unserem Auftrag, in diesem Bildungskontext. ‘Für was müssen wir sorgen?’, ‘Was wäre darüber hinaus noch wünschenswert, steht aber nicht in unserer Macht?’, das war schon noch einmal deutlich, wie sich die Akteure um unterschiedliche Aufträge kümmern.

Constanze Reder: Um unterschiedliche Aufträge kümmern, aber trotzdem immer gleiche Lösungsmöglichkeiten haben.

Mandy Schiefner-Rohs: Ja.

Constanze Reder: Lösungsmöglichkeit 1: wir müssen die Haltung ändern.

Mandy Schiefner-Rohs: Genau.

Constanze Reder: Dann sage ich: Ja, das ist eine schöne Lösungsmöglichkeit.”

Mandy Schiefner-Rohs: Da stehen wir auch voll dahinter.

Constanze Reder: Aber wie machen wir das denn konkret?

Constanze Reder: Ja, wir müssen mit Unsicherheit umgehen können. Ja, aber das ist ja durchaus nicht, was ich dem Studenten, der Studentin sagen kann: Jetzt geh mit Unsicherheit um”. Und wenn es scheitert, dann ist es nicht unbedingt immer positiv, wenn es scheitert.

Mandy Schiefner-Rohs: Ja.

Constanze Reder: Also tatsächlich, ich find’ die Lösungen in Form von plakativen Stichworten sind dann recht schnell da, die Frage, was es eigentlich heisst und wie man das pädagogisch, didaktisch, wie auch immer umsetzen kann. Das finde ich ist durchaus noch mal was, was zumindest mir durch den Kopf geht, in der Veranstaltung die ganze Zeit. Weil es dann einfach ist zu sagen:„Ja, wir müssen die Haltung ändern.“ #00:05:01-5#

Mandy Schiefner-Rohs: Ja. #00:05:01-5#

Constanze Reder: Schon von vornherein.

Mandy Schiefner-Rohs: Aber schon noch mal, vielleicht dazu um vielleicht ein bisschen eine konkretere Ebene zu finden. Also es gab bei uns am Tisch zwei Ansätze, die fand ich eigentlich schon noch mal spannend, die relativ konkret waren. Eben einmal aus dem Kultusministerium Saarland mit dem Alexander König, der noch mal sagte, wenn wir schon einmal Eltern mit im Boot hätten, die nicht diesen direkten Beschwerdeweg gehen würden, wenn etwas schief läuft, zu sagen ‘dann beschwere ich mich direkt über den Lehrer, der einen Fehler gemacht hat’, sondern dass man die anders im Boot hat, nämlich als Partner, als Leute, die irgendwie mit beauftragt und aufgeklärt werden. Das fand ich auch noch mal einen Ansatz, wo ich gedacht habe, das wäre schon noch mal konkret, dass der Weg ein anderer ist, nämlich ein Vertrauensweg zu sagen: „Mir geht hier gerade etwas gegen den Strich.“ und dann spreche ich mit dem Lehrer über das Projekt, also über die Rahmenbedingungen oder ähnliches und gehe nicht den Beschwerdeweg Richtung Rechtliches oder Ministerium, das halt beauftragt ist oder Schule oder Schulrektor. Das fand ich schon noch mal einen speziellen Punkt und der andere konkrete Punkt, der auch gemacht wurde, dass Lehrkräfte oft dieselben Sorgen haben, wie Schülerinnen und Schüler in sozialen Netzwerken und hier halt in einem Bewertungsnetzwerk, nämlich fies gefeedbacked zu werden über ihr Material oder ihre Sachen, die sie präsentieren oder die sie wenigsten anbieten zum Rückmelden. Und da dachte ich, naja, so ein Social Media Kurs für Lehrkräfte auch dazu zu bringen, diesen anzunehmen, wäre irgendwie auch eine Vorstufe zu ‘Wie gehe ich mit OER um in der Schule?’, das sind jetzt nur Gedankenspiele. Heißt nicht, dass es konkrete Maßnahmen werden, aber es ging wenigstens in diese Richtung, das dann auch aufzumachen, ‘Okay, wie könnte man das auffangen?’. #00:06:59-5#

Diese Bedarfe, oder Ängste. #00:07:02-0#  #00:07:04-4#

Matthias Andrasch: Ich glaube, deshalb habe ich auch an den Tischen so ein bisschen mitgekriegt, das wird halt oft vermengt. Ich glaube, das wissen wir jetzt alle inzwischen, aber es ging ganz schnell um Schulcloudlösungen, wo irgendwie ja auch OER ein Teil sein müsste bei den Überlegungen, aber Plattformdiskussionen, dann natürlich eine große Datenschutzfrage, die ja jetzt per se nichts mit dem Urheberrecht und Material zu tun hat. Fehlerkultur wurde auch oft angesprochen und spannenderweise auch, wenn Eltern nicht bereit sind eine neue Fehlerkultur mitzutragen und dann auch da ins Boot geholt werden müssen, theoretisch, wenn sie überhaupt nicht verstehen, was da im Unterricht gerade an Prozessen passiert.  #00:07:47-9#

Mandy Schiefner-Rohs: Auf der anderen Seite tatsächlich aber auch Schüler, also Lehrerinnen und Lehrer an der Stelle an die eigene Nase zu fassen, welche Feedbackkultur haben sie eigentlich im Unterricht, auch da glaube ich, könnte man durchaus einiges verbessern. Ich glaube, wir suchen oft die Fehler tatsächlich auf der anderen Seite, nach dem Motto „die Lehrer schimpfen auf die Eltern und die Schüler auf die Lehrer“. #00:08:12-0#

Constanze Reder: Ja klar. #00:08:12-0#

Mandy Schiefner-Rohs: Ich glaube, es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die Frage, welchen Stellenwert messen wir eigentlich Fehlern bei. #00:08:21-5#

Constanze Reder: Ja. #00:08:21-5#

Matthias Andrasch: Aber seid ihr da schon in Kaiserlautern einen Schritt näher, auf was dann die Frage Veränderung von Haltung betrifft, weil … #00:08:30-0#

Mandy Schiefner-Rohs: Wir haben da das Konzept in der Tasche. #00:08:26-8#  

(Lachen)

Matthias Andrasch: Habt ihr uns aber noch nicht geschickt!  #00:08:29-4#

Constanze Reder: Was man aber vielleicht grundsätzlich sagen kann, ist, dass wir uns in der AG Schulentwicklung schon viel mit Lehrerhaltung und Lehrerpersönlichkeit beschäftigen, auch in den anderen Projekten. #00:08:35-8#

Mandy Schiefner-Rohs: Wir beschäftigen uns viel damit, aber ich glaube, wir rennen immer wieder an die gleiche. #00:08:40-4#

Constanze Reder: Stelle. #00:08:40-4#

Mandy Schiefner-Rohs: Oder vor die gleiche Wand, letztendlich. Klar ist das notwendig, dass man auch mal im Studium, dass Sachen nicht funktionieren, dass sie scheitern, aber dieses Scheitern dann als positiv zu erleben ist durchaus für Studierende mindestens genauso schwierig, wie für Lehrende das auszuhalten. #00:08:59-0#

Constanze Reder: Absolut. #00:08:59-0#

Mandy Schiefner-Rohs: ‘Dass es gerade jetzt nicht geklappt hat, wie gehe ich um, wenn irgendwie mein Seminarkonzept nicht aufgeht?’, ‘Wie gehe ich um, wenn ich nur drei Studierende habe? Fokussiere ich das auf mich?’ Und denke, ‘O Gott, ich bin so schrecklich und ein Seminar ist so wenig interessant?’ Oder … #00:09:14-5#

Constanze Reder: Naja, in dem spezifischen Fall wussten wir ja, Gott sei dank, mit Vorerfahrung, ein bisschen die Rahmenbedingung .. #00:09:19-3#

Mandy Schiefner-Rohs: Ja, aber ich glaub’ tatsächlich, finde ich ‘Haben wir Konzepte?’, ‘Nein haben wir nicht!’, wir probieren, glaube ich, genauso, wie alle anderen in der Lehrerbildung zumindest Sachen transparent zu machen. #00:09:38-0#

Constanze Reder: Ja. #00:09:38-0#

Mandy Schiefner-Rohs: Warum passieren Sachen? Das ist so mein Umgang mit Studierenden darüber zu reden: ‘Was passiert hier eigentlich gerade?’ Und auch ‘Bin ich frustriert an der Stelle?’ oder ‘Warum funktioniert das jetzt nicht mit dem Material?’ oder was auch immer. #00:09:45-6#

Constanze Reder: Ja, vielleicht ist das der Minipunkt, den man rausstellen kann. Ich glaube, es läuft, wie an allen anderen Unis auch, aber in den Seminaren, die wir anbieten, haben wir zumindest so einen Raum dafür, oder zumindest eine Antenne dafür zu sagen: “Es gibt eine Art von Selbstreflexion darauf zu fokussieren.” Und in den anderen Seminaren, die wir begleiten, machen wir schon auch genau mit Scheitern und Frustrationstoleranz gezielte Erfahrung, auch insofern, dass Studierende Seminare auch hinschmeißen wollen, weil sie denken, sie schaffen das nicht, den Umgang mit digitalen Medien. #00:10:23-0#

Mandy Schiefner-Rohs: OERlabs. #00:10:23-0#

Constanze Reder: Die OERlabs auch, aber auch in der Didaktik des E-Learning mit älteren Studierenden, die denken, sie kommen nicht klar mit digitalen Medien zu arbeiten, wo wir dann schon einen Raum dafür haben, mit denen ins Gespräch zu kommen und die es am Ende doch durchziehen. Mit welchem Ergebnis ist jetzt mal offen, sondern einfach diesen Punkt zu überwinden ‘Ich gehe zurück in meine Komfortzone und mache alles wie immer’, sondern mich darein zu begeben ‘Ich weiß nicht, wie’s wird und ob das überhaupt klappt, aber ich versuch’s jetzt mal in diesem Kontext’. Diese Erfahrung hätte ich schon auch identifiziert bei uns. #00:10:58-5#

Mandy Schiefner-Rohs: Genau, also ich glaube, das ist der Punkt, der eben auch angesprochen wurde: ‘Wie schaffen wir es genau aus dieser Komfortzone herauszugehen?’ Offen für Neues zu sein und das so, vielleicht kann ich das als Anekdötchen noch sagen. Eine Lehrerin sagte eben am Tisch: „Lehrer sind wie Pferde.“  #00:11:14-6#

(Lachen) #00:11:14-6#

Mandy Schiefner-Rohs: „Was passiert dann?“, sagt er, „Jaja, das ist so: Pferden muss man sich ja auch von vorne sehr transparent nähern, mit einer klaren Sprache, aber man darf sie auf keinen Fall irgendwie erschrecken, weil sie dann Fluchttiere sind.“ #00:11:32-7#

Constanze Reder: Und dann sind sie weg und kommen nie wieder. #00:11:34-2#

Mandy Schiefner-Rohs: Genau. Und Lehrerinnen und Lehrer, sagte sie aus ihrer Erfahrung, sind genau solche Fluchttiere, wenn die Erfahrung einfach zu groß ist, dann rennen sie einfach weg, sondern man muss sich ihnen langsam nähern. Dann sagte sie: “Die Mähne etwas kraulen.” #00:11:43-5#

Constanze Reder: Das Zückerchen bereithalten. #00:11:44-0#

Mandy Schiefner-Rohs: Und irgendwie Vertrauen schaffen und vielleicht ist das noch einmal ein Aspekt, den wir versuchen könnten über die OERlabs den Lehramtsstudierenden … #00:11:56-7#

Constanze Reder: Genau. #00:11:56-7#

Mandy Schiefner-Rohs: … zumindest langsam abzugewöhnen, diesen Fluchtinstinkt immer gleich auszupacken. #00:12:07-8#

(Zustimmung) #00:12:07-8#

Constanze Reder: Was vielleicht auch an dieser kooperativen Konstellation mit Lehrbeauftragten, mit Dozent, mit Tutoren, eventuell besser funktioniert, als nur mit einer Lehrperson, zu der man dann entweder einen Draht hat, oder auch nicht, aber die dann eben diese ganze Geschichte auf sich vereint, aber manchmal ist es ja auch einfacher mit anderen zu sprechen, die eine andere Perspektive oder Rolle dann einnehmen im Betrieb. #00:12:36-3#

Mandy Schiefner-Rohs: Jetzt sind wir aber ganz schön weit weg gekommen. #00:12:39-1#

Constanze Reder: Finde ich auch, noch mal zurück zu deiner Frage. Aber wir haben ja von Frustration und Scheitern gesprochen. #00:12:42-7#

Mandy Schiefner-Rohs: Wobei das jetzt gar keine frustrierende Angelegenheit war. #00:12:45-0#

Constanze Reder: Nee. #00:12:45-1#

(Lachen) #00:12:45-1#

Mandy Schiefner-Rohs: Wir haben zwei Stunden, falls das jetzt im Podcast so komisch rüber kommt, das wir hier über Scheitern und alles was nicht läuft reden. Ich empfand es als durchaus sehr gelungen, die Veranstaltung. Ich hab jetzt nicht die Notwendigkeit gesehen über’s Scheitern zu reflektieren, weil wir es erlebt haben. Weil es, glaube ich, im Prozess einfach inhärent ist. #00:13:05-9#

Matthias Andrasch: Um die Hörerinnen und Hörer noch einmal reinzuholen, könntet ihr ja noch einmal kurz den Ablauf schildern, wie wir heute den Tag durchgegangen sind, erlebt haben, sozusagen. Ich war ja freudiger Teilnehmer. #00:13:26-0#

(Zustimmung) #00:13:26-0#

Matthias Andrasch: Das kennt ja jeder, es ist immer einfach, wenn andere etwas veranstalten, da kommt man gerne. Wenn man es selber macht, dann ist es ein bisschen mehr Aufwand und Stress. Begrüßt hat ja wieder der Herr Lörke. Spreche ich ihn richtig aus? #00:13:40-1#

Mandy Schiefner-Rohs: Genau, hast du richtig gemacht. Vizepräsident für Studium und Lehre an der TU Kaiserslautern und Schirmherr des Projekts für die Kaiserslauterer Seite. Hat, wie ich fand, sehr locker, sehr nett auch alle begrüßt. Wir hatten letzte Woche ein kurzes Brainstorming, ‘Was könnte man sagen?’, ‘Was ist eigentlich unser Ziel?’. Und ich finde er interessiert sich total für die OERlabs und die Lehrerbildung. Nach dem Input habe ich nur ein paar einführende Worte gesagt, weil es natürlich der zweite Runde Tisch, das heißt für einen Teil der TeilnehmerInnen, die das letzte Mal schon da waren, wäre ein Vortrag über ‘Was ist OER?’ durchaus schwierig gewesen.

Mandy Schiefner-Rohs: So dass ich tatsächlich nur kurz versucht habe das Projekt zusammenzufassen auf ein paar Folien und die Legomännchen müssen natürlich immer mit. Und dann noch mal versucht habe, den Rahmen ein wenig größer zu spannen, dass OER nicht nur um Medienproduktion geht, weil meine Befürchtung bei diesem Thema immer ist, dass wir dann bei Arbeitsblättern und Schulbüchern landen, in der Diskussion mit Lehrerinnen und Lehrern, und das sozusagen den Diskurs bestimmt. Von daher am Anfang noch einmal die Idee ein Stück weit zu öffnen, ich habe auch die Folien aus Köln mitgebracht, von daher waren das schöne Synergieeffekte, die wir da erzielen konnte. Und dann sind wir recht schnell in drei Thementische gegangen. Ein Thementisch hat sich mit LehrerInnenbildung beschäftigt, erste und zweite Phase an der Stelle zusammengefasst. Der zweite Tisch mit Schule, als Institution noch einmal ganz anders organisiert und gestaltet. Der dritte Tisch mit Lehrerfort- und Weiterbildung. Nach zwanzig Minuten wurden die Tische gewechselt, was mehr oder weniger klappte, weil die Diskussion einfach dementsprechend intensiv an den Tischen waren, dass ich mich manchmal scheute, die Leute aus den Diskussionen zu reißen, so dass am Ende nur noch bei Interesse und Neugier gewechselt wurde. #00:15:43-3#

Am Ende haben Constanze und ich versucht, das noch einmal zusammenzufassen unter dem Thema: „Was brennt unter den Nägeln?“ Also ‘Was ist jetzt bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern aktuell?’, ‘Was geht denen durch den Kopf?’, und tatsächlich unter der Perspektive ‘Was nehmen sie mit?’ Bilder und alles dann im Podcast beziehungsweise im Blog zu finden. #00:16:09-5#

Matthias Andrasch: Bilder im Podcast sind ein bisschen schwierig. #00:16:10-2#

Mandy Schiefner-Rohs: Bilder im Podcast sind schwierig, genau, können wir ja demnächst, mach mal ein Vlog daraus, und dann können wir das auch.

Constanze Reder: Bilder unter dem Podcast. #00:16:15-7#

Mandy Schiefner-Rohs: Nee, tatsächlich dann im Blog, wir verlinken sicherlich in den Shownote, ne, Herr Andrasch? #00:16:22-9#

Matthias Andrasch: Wir verlinken überall und vertwittern es, und machen alles. Ich kann ja vielleicht noch meine Perspektive als reiner Teilnehmer an den Thementischen schildern, weil ich schon die Offenheit der Lehrerinnen und Lehrer hier beeindruckend fand, die da waren, weil ein Lehrer auch gesagt hat, er macht auch seinen Unterricht gerne manchmal geschlossen, und macht die Tür zu, und will diese Autonomie noch haben. Da wäre ich, glaube ich, gerne mit ihm noch näher ins Detail noch mal gegangen, was das denn genau heißt, denn ein rechtsfreier Raum kann es dann ja trotzdem nicht sein und es ging dann auch ein bisschen darum, dass dann keiner die Fehler sieht. Wo ich noch einmal gerne, da war die Zeit dann leider schon rum, weil ich dann noch einmal darüber reden wollte, es ist ja total spannend, da sind zwanzig Schülerinnen und Schüler, die sehen alle Fehler, das spielt aber keine Rolle, denn erst ab dem Kollegium wird es irgendwie spannend. Vor allem total, also weil, man ist ja auch nicht alleine im Raum, ich fand es total spannend darüber zu reden und dann kamen all die OER Grundsatzdiskussionen auf: ‘Was sagen eigentlich Schulbuchverlage?’, ‘Sind das unsere Feinde?’, ‘Das bringt denen ja gar nichts, wenn wir da was freigeben, warte mal, wie machen die das denn mit ihren Schulbüchern?’, ‘Ist Googledrive offen, oder nicht?’, das alles ist dann hochgeblubbert, und deshalb fand ich es gut, total gut, dass ihr da wieder so viel Zeit zum Diskutieren gegeben habt, weil es schon ein bisschen gedauert hat, bis diese Themen angekratzt wurden. Aber dann hat sich das irgendwie entwickelt und wir waren auf so einer OER Debattenebene, die sich dann entwickelt hat. #00:17:53-3#

Und der andere spannende Punkt war, der Schüler, der hier total in seiner Freizeit da war, ist dann als einziger tatsächlich auch als erster auf den Punkt ‘gute Bildung’, also wir stellen den eigentlich mal den Schülern und Schülerinnen, die sollen doch im Mittelpunkt stehen, worüber hat er jetzt nicht so provokativ gesagt, aber eigentlich war der Subtext: ‘worüber redet ihr denn jetzt eigentlich gerade, ich habe noch nicht für mich als Schüler gehört, was ihr jetzt verbessern wollt, konkret? Sondern ihr redet über Ressourcen, Geld, ihr wollt alle irgendwie was haben, aber keiner hat gesagt: Ihr wollt guten Unterricht.’ Was alle natürlich wollen, aber es wird explizit gar nicht so darüber geredet und das war, glaube ich, auch noch einmal spannend, das an den Thementischen mitzukriegen. #00:18:33-0#

Constanze Reder: Ja. Also könnte ich auch noch einmal bestätigen, diese Perspektive, dass es auch total wichtig ist, da dann, schon noch mal, diese schülerzentrierte Arbeit reinzubringen, dass wir unterrichten nicht nur im Lehrerkontext oder im Lehrerkollegiumskontext, sondern, dass wir eigentlich Unterricht für Schülerinnen und Schüler machen. Und dementsprechend, da eigentlich ein bisschen den Blick manchmal verlieren, aufgrund von der ganzen ‘was hält uns davon ab, offene Bildung zu machen?’, das geht dann ganz schnell wieder in die Diskussion, die wir grundsätzlich bei digitalen Medien oft haben. Und das fand ich dann heute auch schon noch mal gut. Diese vier Perspektiven. #00:19:08-3#

Mandy Schiefner-Rohs: Eins weitergedacht tatsächlich Schülerinnen und Schüler auch offensiv zu adressieren und das OER Projekt nicht nur als Lehrerbildungsprojekt zu sehen, sondern vielleicht tatsächlich auch zu überlegen, wie sieht es aus mit Schülerinnen und Schülern?  #00:19:20-5# Welche Rolle haben die eigentlich in dem ganzen Prozess? Von daher war das, glaube ich, schon noch einmal gut, dass da auch noch einmal so eine andere Perspektive rein kam und die Frage der Offenheit ist nicht gleich Transparenz, die am Ende noch angesprochen wurde. Die Frage ‘Was ist da?’ – das finde tatsächlich noch mal einen Diskussionsanlass, einfach zu sagen, ‘Geht es eigentlich um Transparenz oder geht es um Offenheit und was steckt eigentlich hinter beiden Begrifflichkeiten und warum ist es halt nicht allumfassende Transparenz?’. Ich meine, das  #00:19:51-6# „The Circle“ ist angesprochen worden, da merken wir ja, was Transparenz letztendlich mit sich bringt. #00:20:00-6#

Constanze Reder: Es gab an derselben Stelle noch mal eine Diskussion, auch ähnlich mit der Diskrepanz zwischen oder diesem Gegenteil aufzumachen, dass es nicht so ist, dass Lernen im geschützten Raum gleich ist mit Lernen in einem geschlossenen Raum, der irgendwie vernagelt oder für mich selber im stillen Kämmerlein stattfindet, sondern, dass es eigentlich darum geht, das war ja auch eine der Inspirationsfragen, ‘Wie will ich lernen?’, ‘Was denken wir, was gutes Lernen ist?’. Und da noch mal, darauf hinzuweisen, dass Schule diesen Vorteil hat, hier kann ich auch Dinge ausprobieren, und dass es da auch wirklich auch konkret darum geht, dass Schüler scheitern oder Fehler machen, und da eben diesen Zugang bieten: ‘Wie können wir sie trotzdem mitnehmen?‘ Und das sie diesen Freiraum unbedingt brauchen, eben in diesem geschützten Rahmen und das fand ich eigentlich ganz spannend, weil dann so ein bisschen die Diskussion war ‘Okay, aber geschützter Raum schließt nicht aus, dass wir eine andere Art von Unterricht machen, der eben mehr Schüler einbezieht oder sich öffnen, was Schüler brauchen oder wollen oder was die sich gerne an Lehrinhalten aneignen wollen würden?’. Und dieser Prozess muss gut moderiert werden, das war eine Forderung von den Lehrkräften, die fand ich dann von den Lehrkräften eigentlich ganz sinnvoll zu sagen: ‘Okay, wenn so ein Prozess stattfinden soll, in unserem geschützten Raum Schule, dann mit einem gut moderierten Ausgangspunkt zu sagen: Wer erwartet was? Was geben wir den Schülern für eine Verantwortung? Was können sie trotzdem in ihrer Rolle als Schüler noch sein?’. #00:21:37-7#

Mandy Schiefner-Rohs: Können wir ja schauen, ob wir das in den OERlabs mit den Schulen aufnehmen können.  #00:21:39-6#

Constanze Reder: Ja! Wie sich das bestätigt. #00:21:42-0#

Matthias Andrasch: Das wäre jetzt tatsächlich meine Abschlussfrage gewesen, weil die Lehrerinnen und Lehrer der Schulen waren jetzt ja nicht nur einmalig hier, wie ich es verstanden habe. Was habt ihr denn mit den Schulen noch vor? Darf man da schon was verraten in Kaiserslautern? #00:21:55-4#

Constanze Reder: Es ist ja im letzten Podcast mit Anna-Lena und Michael schon angeklungen, als wir schon mal ein großes/kleines Interview dazu geführt haben, wie die Einsätze an den Schulen jetzt weitergehen und verlaufen sind, bisher. Und es ist auch nach wie vor im Mittelpunkt der Arbeit, momentan, in Kaiserslautern, für das letzte halbe Jahr, in dem wir die Projekte haben, dass wir Einsätze an den Schulen haben. Da wird es noch welche geben, vor allem im Sommer. Es sind jetzt zwei weitere geplant und nach dem Runden Tisch heute kamen auch noch mal zwei Schulen auf mich zu, die unbedingt gerne was machen wollen mit uns. Es geht also wirklich gerade um die Vernetzung zwischen den Labs, entweder als mobile Labs, die in die Schulen kommen, oder als Besucherlabs, wo es möglich ist, dass die Lehrkräfte zu den Labterminen kommen, die jetzt noch im April und im Mai stattfinden. Es wird so sein, dass sich das ein bisschen verändert, wir haben ja ansonsten immer zweiwöchige Labs für die Lehramtsstudierenden in allererster Linie. Es wird jetzt einfach so sein, dass wir mit den Materialien, die da schon erstellt wurden, und mit den Erfahrungen, die wir mit den Studenten gemacht haben, in der Tasche, werden die Tutoren quasi den Rucksack damit packen und an die Schulen gehen, sodass sich das jetzt einfach mit einem größeren Kreis von an der Lehrerbildung partizipierenden Menschen erweitert. Das wird noch passieren. Und dann haben wir auch noch einen dritten MSD oder einen dritten Runden Tisch im Juli, wo wir noch mal den Fokus an einer Stelle setzen, die auch noch mal die Region und verschiedene Bildungsträger einbeziehen soll. Und da werden wir auch noch mal gucken, welche Rolle Schulbildung da spielt. #00:23:33-7#

Matthias Andrasch: Sehr schön! Aus meiner Sicht, glaube ich, wird das total spannend, würde ich gerne euch öfter besuchen, wenn es die Zeit zulassen würde, weil ich auch bei einem Lehrer heute gemerkt habe, der hat so ein bisschen geknabbert, der hatte einen guten Überblick, der wusste schon irgendwie, wie man es machen könnte, aber er war sich, glaube ich, noch nicht, also ich glaube er bräuchte vielleicht noch ein Lab oder so, um noch mal, also total fundierte Meinung, aber irgendwie, da hat noch ein Fünkchen Austausch oder so, gefehlt, und dann würde da vielleicht sogar ein OER bei rausspringen, wenn es auch erstmal nur Material ist und dann die Praktiken könnt ihr dann in den Labs … #00:24:07-2#

Mandy Schiefner-Rohs: Durch die Hintertür. #00:24:07-2#

Constanze Reder: Genau #00:24:07-8#

Matthias Andrasch: Genau. Deswegen: euch viel Erfolg! Danke, dass ich da sein durfte #00:24:12-2#

Mandy Schiefner-Rohs und Constanze Reder: Danke schön, dass du da warst. #00:24:12-4#

Matthias Andrasch: Und damit würde ich dann auch ‘Tschüss’ sagen. #00:24:17-5#

Mandy Schiefner-Rohs: Von uns auch. #00:24:18-4#

Constanze Reder: Genau. #00:24:18-4#

Mandy Schiefner-Rohs: Tschüss! #00:24:20-8#

Matthias Andrasch: Tschau, tschau!  #00:24:21-3#

Constanze Reder:  Tschüss!