Transkript der Podcast-Episode 16: OERlabs Tutor Michael und seine Erfahrungen in Kaiserslautern

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00:06 Matthias Andrasch:
Ja hallo und herzlich willkommen zum Bildungsshaker Podcast, der Podcast des BMBF Projekts OERlabs an der Universität zu Köln und an der TU Kaiserslautern. Mein Name ist Matthias Andrasch. Ich bin wissenschaftlicher Mitarbeiter im Projekt und bin heute tatsächlich mal wieder in Kaiserslautern, wo ein bisschen frostiges Wetter herrscht und ich auch mir direkt eine Erkältung mitgebracht habe praktischerweise, aber es genug leckeren Tee gibt. Ganz neben mir sitzt jetzt ein spezieller Gast, der schon mal ganz kurz bei uns im Podcast war, aber jetzt auf weitere Erfahrungen zurückgreifen kann, die er uns gleich berichtet. Und zwar ist das der Lab-Tutor unseres Lab-Raums in Kaiserslautern, Michael Becker. Hallo.

Michael Becker:
Hallo Internet.

00:54 Matthias Andrasch:
Könntest du uns erstmal ein bisschen nochmal erklären, den Hörerinnen und Hörern, was denn ein Lab-Tutor so den ganzen Tag machen muss?

Michael Becker:
Gerne. Wir haben verschiedene Aufgabengebiete. Ein Wichtiges ist das Bekanntmachen der Labs an der Universität. Das machen wir zum einen klassische Wege, dass wir Flyer verteilen, dass wir Poster designen und an der Universität kleben. Wir haben auch andere Wege probiert, wie E-Mail der Universität, wir haben auch in Veranstaltungen des Lehrstuhls direkt Studenten angesprochen und auch dort kurz darauf hingewiesen, wirklich nur in einem sehr gerafften Rahmen, was passieren soll und was die Studierenden erwartet. Wir haben auch probiert Facebook-Werbung zu machen. Das lief in ungefähr so: Wir haben uns mehrere kleine Sketche überlegt, die dann geendet haben mit einem Verweis auf bereits existierendes OER-Material, das OER erklärt.

Matthias Andrasch:
(zustimmend/ zur Kenntnis nehmend) Mhmm.

Michael Becker:
Das haben wir versucht zu verbreiten in verschiedenen Lehramtsgruppen der TU, die bereits existiert haben, in denen wir Leute kannten, die in der Gruppe sind und die das dann dort eben gepostet oder geteilt haben. Das hat zum Teil funktioniert, dass es Leute angesprochen hat, die kamen. Wir haben aber auch Leute, die gesagt haben: Ich habe das gesehen und hat mich jetzt nicht angesprochen. Und ich weiß jetzt, dass es euch gibt…

Matthias Andrasch:
(zustimmend/ zur Kenntnis nehmend) Mhmm.

Michael Becker:
… aber es war eben nicht genug, um zu sagen ich komme jetzt vorbei.

Matthias Andrasch:
(zustimmend/ zur Kenntnis nehmend) Mhmm. Du hast gesagt Facebook-Werbung sozusagen. Das heißt aber ihr habt normale Postings gemacht und nicht dieses Sponsored-Posting genutzt, die es ja auf Facebook auch gibt, gegen bezahltes Geld.

Michael Becker:
Nee. Das waren normale Postings in der Gruppe.

02:28 Matthias Andrasch:
Genau. Finde ich sehr spannend. Hast du da eine Meinung oder schon so erste Ideen, woran das liegen könnte? Weil wir ja in Köln und auch öfter schon im Podcast halt debattiert haben. So OER an sich ist halt ziemlich abstrakt jetzt auch schon so die Begriffsbezeichnung. Haben da Leute was zurückgemeldet?

Michael Becker:
Ja und nein. Also wir kriegen das eigentlich nur dann mit, wenn wir mit Leuten wirklich mal ins Gespräch kommen. Also die haben dann ja schon die erste Hürde genommen, …

Matthias Andrasch:
(zustimmend/ zur Kenntnis nehmend) Mhmm.

Michael Becker:
… weil irgendwie hat es doch ihr Interesse erregt.

Matthias Andrasch:
(zustimmend/ zur Kenntnis nehmend) Mhmm.

Michael Becker:
Und wir merken auch, das ist wirklich schwer, weil ich könnte ja aus verschiedenen Winkeln anfangen. Ich könnte den Leuten erklären, dass ich damit Probleme, die ich mit dem Urheberrecht vielleicht habe, vermeiden kann. Ich könnte aber auch eben anfangen zu erzählen, es gibt tolles Material da draußen, das ihr benutzen könnt oder vielleicht habt ihr eine tolle Idee, die ihr umsetzen könnt. Und es hängt glaub ich so ein bisschen davon ab, ob man die Person gleich mit dem richtigen Ansatz erwischt.

Matthias Andrasch:
(zustimmend/ zur Kenntnis nehmend) Mhmm.

Michael Becker:
Wir haben auch jetzt im Lab Studierende sitzen, die sehr aus diesem Gedanken der… ja aus der Auseinandersetzung mit der Lizenz kommen, die privat sich auch so ein bisschen mit freier Software beschäftigen und die haben dann praktisch schon mit diesem ganzen Hintergrund gesagt: Ah. Das gibt es auch für Bildungsmaterial. Das will ich haben.Ich gucke mir das an.

03:46 Matthias Andrasch:
zustimmend/ zur Kenntnis nehmend) Mhmm. Wir waren ja auch gerade da im Raum und das ist ja diese freie Software Bewegung. Open-Source ist da ja immer ein gelungener Anker. Gab es auch Leute… also mich interessiert immer so ein bisschen, wie reagieren Leute jetzt darauf, die nicht aus diesem Informatik, Open-Source Umfeld kommen,…

Michael Becker:
(zustimmend/ zur Kenntnis nehmend) Mhmm.

Matthias Andrasch:
… sondern gab es auch schon ein paar andere Rückmeldungen so von sagen wir jetzt mal anderen Lehramtsstudierenden?

Michael Becker:
Wir hatten einen Auftritt auf dem Markt der Me-… oder Auftritt ist vielleicht zu viel gesagt. Wir hatten einen kleinen Stand am Markt der Medien.

Matthias Andrasch:
Ja.

Michael Becker:
Das war eine Veranstaltung aus dem Pädagogik Fachbereich, der verschiedene neue Medien versucht hat den Studierenden zu präsentieren. Und sie konnten eben den Vormittag lang an verschiedenen Ständen vorbeigehen und das ausprobieren.

Matthias Andrasch:
(zustimmend/ zur Kenntnis nehmend) Mhmm.

Michael Becker:
Und wir waren dort zusammen mit Studierenden, die ihr erstes selbst gemachtes Material präsentiert haben. Das war ein Brettspiel mit Quizkarten und darüber sind wir dann eben mit Studierenden ins Gespräch gekommen, die da wenig Kontakt zu vorher hatten. Und dort kriegen wir ein breiteres Spektrum…

04:50 Matthias Andrasch:
Vital sein muss. Also finde ich lustig, dass ihr das über das Brettspiel tatsächlich mal aufbrechen konntet. Hattest du das Gefühl so, das hat sich den Leuten auch so ein bisschen erschlossen? Also diese Veränderbarkeit? Oder ist das halt auch auf so einem Markt der Medien schwierig sozusagen vollumfänglich da irgendwie Infos zu geben?

Michael Becker:
Ich würde sagen bei einigen hat es wirklich funktioniert.

Matthias Andrasch:
(zustimmend/ zur Kenntnis nehmend) Mhmm.

Michael Becker:
Also mit Leuten mit denen man länger im Gespräch war, weil sie dann auch konkret gefragt hatten: Was mache ich denn jetzt damit?

Matthias Andrasch:
(zustimmend/ zur Kenntnis nehmend) Mhmm.

Michael Becker:
Und wir haben… das war im Prinzip eher so sich ein gegenseitiges Ideen zuwerfen. Zum Beispiel haben Studierende überlegt: Mhmm, wenn ich das jetzt für meinen Unterricht mache und ich habe jetzt zum Beispiel ein Quizkarten-Set für eine bestimmte Unterrichtsstunde. Ich könnte das ja auch dem Kollegen zur Verfügung stellen, wenn die eine Vertretungsstunde machen.

Matthias Andrasch:
(zustimmend/ zur Kenntnis nehmend) Mhmm.

Michael Becker:
Dann stehen die nicht mit nichts da. Und ich glaube über den Aspekt mit: Da ist Arbeitserleichterung drin, das hat funktioniert und dann kamen Studierende auch selbst auf den Gedanken zu sagen: Ah. Ich könnte ja dann aber auch vielleicht das Spielbrett ändern, wenn ich es anders haben will. Und ich denke es funktioniert so.

05:58 Matthias Andrasch:
(zustimmend/ zur Kenntnis nehmend) Mhmm. Wir hatten ja auch im Vorfeld jetzt schon ein bisschen geredet und was ich ganz spannend fand ist, dass du so als Tutor jetzt schon ziemlich tief auch in die urheberrechtlichen Debatten irgendwie eingestiegen bist durch die Fragen, die halt die Studierenden dir gegeben haben. Kannst du da vielleicht ein bisschen den Prozess beschreiben, seit du Tutor geworden bist und hat sich das… Also ist mein Eindruck richtig, dass sich das tatsächlich bei dir auch so vertieft hat dann dadurch? 0der warst du da schon immer so tief drin in den ganzen Fragen?

Michael Becker:
Konkret in den OER-Fragen nicht.

Matthias Andrasch:
(zustimmend/ zur Kenntnis nehmend) Mhmm.

Michael Becker:
Ich habe mich privat ein bisschen mit Datenschutz auseinandergesetzt aber eben nicht auf der Ebene Hochschule, Schule. Und deshalb… Ich hatte es dann vielleicht ein bisschen leichter da anzuknüpfen aber ich musste hier noch viel dann auch neu lernen und das ist zum Teil dann eben aus Eigeninteresse und in Vorbereitung der Labs geguckt aber vieles sind eben konkrete Nachfragen der Studierenden. Die überlegen sich dann einen konkreten Fall. Die haben zum Beispiel gefragt: Wenn ich jetzt da irgendwas machen will… also wir hatten ganz am Anfang ein paar digitale Quiztools gezeigt. Daraus ist auch dann dieses Brettspiel entstanden als Idee. Und die Studierenden haben sich eben gefragt, kann ich das jetzt in der Schule einsetzen? Was muss ich denn beachten?. Und darüber mussten wir dann einerseits den Studierenden Material an die Hand geben oder auch selbst nochmal tiefer recherchieren, um zu gucken: Was sind Knackpunkte, die man beachten muss?

07:28 Matthias Andrasch:
(zustimmend/ zur Kenntnis nehmend) Mhmm. Und in deiner Rolle, würdest du sagen das System kann funktionieren sozusagen? Also dass Studierende auch erstmal Fragen an dich richten, du vielleicht wieder weitere Infos gibst, wo sie gucken können? Weil wir haben in Köln auch immer so einen starken Drang diskutiert, dass es ja eigentlich ein Beratungszentrum geben müsste und da müsste es einen geben, der am Ende drüber guckt. Du aus deiner Erfahrung, würdest du sagen, dass das in so einem Kontext auch ein bisschen Hilfe zur Selbsthilfe helfen kann? Weil du ja jetzt auch viel nachschlägst wahrscheinlich.

Michael Becker:
Ja. Wir hatten von den Fragen, die jetzt kamen, was bei allen Studierenden, wo man auch gemerkt hat, nachdem man ein bisschen mit ihnen darüber geredet hatte, sie hätten sich das auch selbst erschlossen, aber es war angenehmer jemanden zu haben, der einen in die richtige Richtung schubst, wenn man das so sagen möchte.

Matthias Andrasch:
(zustimmend/ zur Kenntnis nehmend) Mhmm.

Michael Becker:
Und von daher hilft das aber zum Teil glaube ich, ist es dann auch schwierig, wenn die Studierenden das später im Lehrerberuf ausüben. Vielleicht gibt es dort eben kein Beratungszentrum. Und deshalb wäre es eigentlich recht günstig jetzt sich es selbst schnell, zumindest wichtige Info-Portale, größere Plattformen zu erarbeiten, dass man jetzt die Erfahrung halt schon hat und mitnimmt.

08:53 Matthias Andrasch:
Und so wie du die Studierenden im Lab erlebst… Erlebst du es schon so, dass schon es schon sehr konkret das Handeln auf das spätere Lehrerinnen- oder Lehrersein ausgerichtet ist? Oder ist das gerade noch so bisschen so ein Ausprobieren, so ein Experiment, wir gucken mal wie weit wir mit dem OER kommen?

Michael Becker:
Ist bisschen eine Mischung aus beidem. Wir haben einmal Studierende, die klar gesagt haben, ich will einfach irgendwas produzieren und ich gucke mir alle Fragen, die auf dem Weg dahin auftauchen, schaue ich mir an und löse die dann. Und wir hatten auch den Ansatz mit einer konkreten Vorstellung, wie eine Unterrichtsstunde oder eine ganze Einheit aussehen könnte und mit einer Überlegung, wo könnte ich hier OER-Material einsetzen und wie könnte ich das gestalten? Oder auch… da geht es dann zum Teil auch erstmal um die Frage: Nehme ich Papier? Will ich Video? Will ich Audio?

09:50 Matthias Andrasch:
(zustimmend/ zur Kenntnis nehmend) Mhmm. Gut dann danke ich Dir schon mal vielmals für das Gespräch. Jetzt natürlich noch für Euch der Werbeblock sozusagen. Wenn ich jetzt interessierter Studierender an der TU Kaiserslautern bin, der ich leider nicht mehr sein darf, wie könnte ich denn zu Euch kommen? Also wie kann ich das Lab-Angebot denn wahrnehmen?

Michael Becker:
Wir befinden uns in der Zentralbibliothek. Der Raum ist ein bisschen schwer zu finden aber schön ausgeschildert. Einfach den orangenen Schildern mit den weißen Pfeilen folgen. Jeden zweiten Freitag im Monat, nein generell, jeden zweiten Freitag. Der nächste Termin ist der erste Dezember und der letzte Termin für dieses Jahr ist der 15.12.

10:30 Matthias Andrasch:
Alle Infos dazu, findet ihr auch auf unserer Homepage oerlabs.de. Dort auch nochmal der Hinweis, wir haben eine digitale Türklingel montiert. Dort dürft ihr mit Fragen immer gerne klingeln und einer von uns, sei es dann meine Person oder Michael, wo wir die Frage weiterleiten, wird euch da auf jeden Fall antworten. Auch für die Studierenden aus Kaiserslautern gibt es da nochmal eine extra Unterseite, wo ihr auch nochmal Fragen zum Lab-Raum hier stellen könnt und die Termine seht.
Michael, vielen Dank für deinen Erfahrungsbericht.

Michael Becker:
Bitte, Bitte.