Transkript der Podcast-Episode 08: #OpenAccess Woche: Einblick in die Anfänge

Creative Commons Lizenzvertrag Gerne weiterverwenden! Dieser Podcast ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz. Der Urheber soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Projekt „OERlabs“ (oerlabs.de).

Matthias Andrasch: Ja Hallo und herzlich willkommen zum Bildungsshaker-Podcast, dem Podcast des BMBF Projekts OERlabs an der Universität zu Köln und an der TU Kaiserlautern. Mein Name ist Matthias Andrasch. Ich bin wissenschaftlicher Mitarbeiter hier im Projekt OERlabs an der Universität Köln und sitze heute tatsächlich mal ganz alleine vor dem Mikrofon, was aber nicht schlimm sein soll, weil ich hole mir gleich meine externen Gesprächspartnerinnen und –partner sozusagen aus einer alten Aufnahme in den Podcast hinein. Dazu aber später mehr.

Erstmal wollten wir als Team nochmal ganz herzlich Danke sagen an alle, die unseren Podcast tatsächlich hören und uns hat nämlich auch eine Anfrage erreicht. Einmal wurde uns Feedback gegeben zu unseren Ideen, zu utopischem Denken während den Multisteakholder-Dialogen in der letzten Episode. Da wollen wir uns herzlich bedanken, weil wir da jetzt nochmal mit Christian Friedrich in den Austausch treten, der zu Utopie schon einmal gearbeitet hat in einem Workshop tatsächlich und uns da gerne an seinen Erfahrungen teilhaben lässt. Dafür vielen Dank. Wir hoffen, dass sich da noch mehr Vernetzungs- und Erfahrungsaustauschmöglichkeiten über den Podcast tatsächlich ergeben.

Heute ist der 27. Oktober. Wir haben glaub ich sonst in dem Podcast nicht immer transparent gemacht, wann wir genau aufnehmen. Ich hab mir das jetzt allerdings aber mal vorgenommen, damit Ihr als Hörerinnen und Hörer vielleicht auch ein kleines Gefühl dafür kriegt in welcher Woche beziehungsweise in welchem Zeitabschnitt wir die Sachen produzieren.
Der 27. Oktober ist heute aber auch noch ein anderer besonderer Tag, weil wir uns gerade in der Open Access Woche befinden. Da geht es immer darum jedes Jahr ein bisschen auf das Themenfeld freies Publizieren von Wissenschaft sozusagen den Fokus zu legen. Es gibt verschiedene Veranstaltungen. Auf Twitter wird auch unter einem bestimmen Hashtag, den ich dann nochmal in die Shownotes poste – da gibt es glaub ich verschiedene: OpenAccessweek, OAweek –  Sachen getwittert und es gibt auch an vielen Hochschulen Veranstaltungen vor Ort beziehungsweise auch Webinare oder Livestreams. Das kann man alles bei Twitter zum Beispiel verfolgen.

Die Verbindung zu Open Educational Ressources und Open Access besteht ja schon mal einmal darin, dass es halt auch ein Thema ist, welchem das Wort Open sozusagen vorangestellt ist. Da gibt es dann noch weitere, zum Beispiel das etwas größer gedachte Open Science, wo wir vielleicht auch nochmal im Podcast irgendwann drauf kommen können oder Open Source, was freien Quelltext in der Software-Entwicklung bedeutet.

Heute soll es allerdings mal um Open Access gehen, wenn schon die Open Access Woche war sozusagen. Wenn Ihr den Podcast jetzt hört, ist die Open Access Woche ja schon vorbei. Allerdings habe ich mir gedacht, wenn jetzt keiner meiner sonstigen Gesprächspartnerinnen und –partner direkt verfügbar ist diese Woche, können wir ja mal das Experiment wagen und uns einfach mal einer andere Podcast-Episode, die bereits schon produziert wurde, in den Podcast holen. Und ich hab da ein bisschen nachgeforscht und bin tatsächlich auf eine ganz interessante Open Access Folge gestoßen, die im Jahr 2008 in dem Podcast Küchenradio erschien. Der wird in Berlin produziert und in dem Podcast von 2008 haben mit dem Moderator Philip Banse, den Ihr gleich hören werdet, die WissenschafterIn Katja Mruck und Günter Mey gesprochen. Die beiden hatten ab dem Jahr 1999 die Idee, ihre Publikation beziehungsweise den Austausch zur qualitativen Sozialforschung auch irgendwie mit dem Internet abwickeln zu wollen und da auch eine eigene Zeitschrift zu gründen.
Ich fand da die Erfahrung, die die Beiden schildern ganz spannend und auch die Schlüsse, die man daraus ziehen kann, die dann im Podcast erwähnt werden. Der Podcast sollte natürlich ein bisschen in seinem, ich würde jetzt mal in Anführungszeichen sagen, historischen Kontext beachtet werden. Die Episode ist natürlich aus 2008. Das heißt im Jahre 2017 haben sich da noch viele weitere Dinge ergeben, die man dann in anderen Podcasts oder Artikeln, Videos oder anderen Medien findet beziehungsweise auch zum aktuellen Stand von Open Access.

Ich fand die Episode aber ganz gut, weil sie nochmal so ganz praktisch und plastisch glaub ich darstellt, was denn Open Access für den einzelnen Wissenschaftler oder die einzelne Wissenschaftlerin bedeuten kann und inwiefern man da auch in diese Rolle des Publizierenden beziehungsweise des publizierenden Verlags dann tatsächlich eintritt.
Dieses Eintreten ist natürlich kein Muss aber, wie man im Beispiel im Podcast gleich hören wird, bietet sich durch das Internet halt diese Möglichkeit zumindest beziehungsweise die beiden Gäste im Podcast haben das dann halt einfach ihre Idee so in die Tat umgesetzt mithilfe der Vernetzungstechnologien.

Der folgende Podcast-Ausschnitt wird explizit nicht unter dem Zitatrecht verwendet, wie man es sonst im deutschen Urheberrecht machen würde, sondern wir machen unserem Podcast jetzt die Creative Commons Lizenzen zu Nutze, die ja auch für Open Educational Ressources verwendet werden. Der Podcast vom Küchenradio steht nämlich unter einer Creative Commons Namensnennung 3.0 Deutschland Lizenz.

Wir haben den Ausschnitt gewählt von Minute 14:20 bis Minute 34:29. Urheber ist Philip Banse und das Küchenradio-Team. Der Podcast kann unter kuechenstud.io heruntergeladen werden. Es ist Episode 182 mit dem Titel Open Access. In dem Sinne mit diesem Ausschnitt Euch eine schöne Open Access Woche. Wir freuen uns über Feedback und jetzt viel Spaß mit dem Podcast Ausschnitt.

Philip Banse: Kommen wir mal zur Zeitschrift. Also 99 habt Ihr die gegründet.

Katja Mruck: Ja.

Philip Banse: Wie muss man sich das vorstellen?

Katja Mruck: Nun 99 haben wir, weil wir kannten es ja gar nicht anders, versucht verschiedene Verlage anzusprechen, dass wir es wichtig fanden eine Zeitschrift für qualitative Forschung zu
machen, die hilft den disziplinären Stand von Wissen zugänglich zu machen, die hilft den
Stand von Wissen in unterschiedlichen Ländern, mit unterschiedlichen Sprachen zugänglich
zu machen. Online. Das fanden die ganz irritierend.
Also das 99 jemand kommt und eine elektronische Zeitschrift machen wollte, war für die
irgendwie sehr diffus. Die haben sich gefragt: Mhmm. Wie geht denn das? Das ist keine klare
Gruppe, die ich identifizieren kann als Markt und so weiter.
Das hat uns kurz etwas enttäuscht und wir haben dann entschieden es trotzdem zu tun, weil wir gesehen haben, es gibt Nordamerikaner und -amerikanerinnen, die es tun, es geht also und weil wir die Idee wichtig fanden. Das heißt wir haben dann angefangen uns mühsam, teilweise selbst HTML beizubringen…

Philip Banse: Also ich wollte sagen, also 99… Wenn jetzt jemand sagt: Gut wir haben jetzt 2005 so eine Zeitung gegründet…

Katja Mruck: Nee

Philip Banse: … da kann man sich die Software umsonst runterladen und macht das aber 99…

Katja Mruck: Das ist auch 2005 nicht so einfach

Philip Banse: … war ja noch, jetzt nicht Frühzeit aber so, da fing das gerade erst so an…

Katja Mruck: Ja

Philip Banse: … so bisschen Masse zu machen. Wie seid ihr da auf das Internet gekommen? Also wie kam das?

Katja Mruck: Internet war wirklich einfach ein Zufall. Also das war irgendwann Computer da und rumstöbern und sehen: Mein Gott, was hier alles geht.

Philip Banse: Computer im Institut? In der Uni ne?  (08:22)

Katja Mruck: Im Institut. Genau. Und das war völlig überraschend, weil bis dahin haben wir den Computer in dieser Weise nicht genutzt, sondern lediglich für Textverarbeitung oder sowas oder Auswertungen.

Günter Mey: Das war weniger überraschend. Die Geschichte ist eigentlich…

Katja Mruck: Ehrlich?

Günter Mey: Ja. Ich finde wir sind darauf gestoßen, weil wir hatten einen Auftrag bekommen, nämlich über die qualitative Forschung…

Katja Mruck: Aaaah stimmt.

Günter Mey: … einen Überblick… (8:42)

Katja Mruck: Zu schreiben.

Günter Mey: … Beitrag zu schreiben.

Philip Banse: Okay.

Günter Mey: Und die Idee war: Wie bildet sich qualitative Forschung ab? Das was ich vorher sagte, ist es marginalisiert, das findet relativ wenig statt, was findet überhaupt statt? An welchen Orten findet was statt? Das war so ne Übersichtsbeitrag, wo man auch überlegen sollte: An welchen Universitäten ist qualitative Forschung überhaupt präsent? An welchen weniger?

Katja Mruck: Genau.

Günter Mey: Und eine weitere Idee war: Wie ist überhaupt qualitative Forschung wie (9:04) Internet, das sich so mehr und mehr so in Wissenschaft so…

Katja Mruck: Stimmt.

Günter Mey: … ganz langsam abgezeichnet hat, wissenschaftliche Kommunikation, elektronische Kommunikation und anderes aber alles eher als noch unbekannter Ort, wenn man sich auch so anschaut welche Bücher es gab. Und aufgrund dessen haben wir angefangen zu recherchieren und festgestellt, es gibt in Deutschland gar nichts. Es gab…

Katja Mruck: Ja.

Günter Mey: …keine einzige Mailingliste zu qualitativer Forschung. Es gab keine News Scoops (9:25). Es gab nichts was, von dem wir heute ausgehen, dass es das Gängigste ist, was man hat.
Was wir gesehen haben ist das, was Katja gesagt hat. Es gibt in Nordamerika durchaus erste Mailinglisten, ganz umfänglich…

Katja Mruck: Ja.

Günter Mey: …sogar mit ganz viel Austausch. Es gab, irgendwie eine Zeitschrift, die relativ prominent war mit mehreren 100 oder? Nee damals noch nicht mit mehreren 100 Beiträgen. Mit mehreren 50 Beiträgen. Und da haben wir dann mehr und mehr angefangen zu überlegen, inwieweit das überhaupt sinnvoll zu installieren ist und insofern sind wir, was Katja gesagt hat, mit den unterschiedlichen Sachen immer sehr früh, wenn nicht die Ersten gewesen.

Katja Mruck: Aber nur hier, ja. Also du musst dir vorstellen, was es für eine verrückte Überraschung ist, da zufällig auf eine Mailingliste quality free search in the social sciences (10:08) zu stoßen. Da waren damals schon fast 1000 Leute drauf, die seit 91 eine Mailingliste gemacht haben und das diskutiert haben.

Günter Mey: Und hier in Deutschland hatte keine Sau davon eine Vorstellung.

Katja Mruck: Nein, hier war nichts. Hier gab es das nicht. Ne? Und das haben wir gefunden. Wir haben das gesehen also vor allem Nordamerika und haben dann überlegt ok und was können wir tun?
Der erste Gedanke war gar nicht es (10:27) alleine zu machen also wir haben damals durchaus die Kollegen und Kolleginnen in Nordamerika angeschrieben, haben gesagt wir wollen was machen, können wir es nicht zusammen tun?
Es gibt da so ein gewisses Gefälle. Also es gab durchaus auch so eine nordamerikanische Arroganz glaube ich gegen so aus Deutschland Kommende (10:43). Das bildet sich auch auf Lehrbüchern eben teilweise noch ab. Es gab keine Reaktion. Also sind wir losgegangen und das mit sehr, sehr primitiven Mitteln. Also wir haben inhaltlich immer mehr gewusst, was wir wollten. Wir wollten eben, das hab ich auch gerade mal geguckt – also wir haben zum Beispiel Schwerpunktausgaben gemacht: qualitative Psychologie, qualitative Kulturwissenschaft, qualitative Sportwissenschaft, Markt-, Medienforschung, um so den disziplinären Fundus überhaupt sichtbar zu machen.
Wir haben aber auch andere Ausgaben gemacht, wo im Zentrum Dinge stehen, die für qualitativ forschen überhaupt interessant sind. Also Verhältnis qualitative, quantitative Forschung, die Frage von Archivierung und Re-Analyse von Daten und so. Das wussten wir, dass wir es tun wollten aber wir haben es wirklich technisch brutal gemacht, also uns HTML beigebracht bei einem Provider eingekauft, haben dann tapfer Copy and Paste aus Word-Dateien HTML-Dateien gebaut, hatten immer, also relativ schnell waren Leute da, die sich interessiert haben für das, was wir tun, auch wirklich aus unterschiedlichen Ländern und Leute, die uns gestützt haben, die uns auch geholfen haben und so, also dann überlegt haben: Erstes Design.

Philip Banse: Das ist schon faszinierend. Also das ging uns ja mit unserem Projekt hier auch so, dass man einfach was ins Netz stellt…

Katja Mruck: Ja.

Philip Banse: … überhaupt keine Werbung macht, einfach in diese, damals noch bisschen überschaubares, Internet aber dann doch irgendwie total anonym was reinstellt und auf einmal…

Katja Mruck: Ja.

Philip Banse: … melden sich Leute.

Katja Mruck: Wann habt ihr angefangen?

Philip Banse: Wir haben vor drei Jahren ziemlich genau angefangen.

Katja Mruck: Okay.

Philip Banse: Also relativ frisch und…

Katja Mruck: Ok.

Philip Banse: Aber da war diese Podcast-Szene auch noch relativ überschaubar. Das heißt man konnte so in diesem Metier auch noch so ganz gut auffallen. Heute wäre das vielleicht nicht mehr so einfach. Aber das fand ich auch faszinierend.

Katja Mruck: Ja.

Philip Banse: Einfach was reingestellt und es haben sich Leute gemeldet.

Katja Mruck: Ja

Philip Banse: So: Wir finden es nett und wir sind dabei und wann macht ihr denn mal wieder was? (12:24)

Katja Mruck: Ja.

Philip Banse: Und so war das dann bei euch wahrscheinlich auch…

Katja Mruck: Ja.

Philip Banse: … Kaum aus dem Nichts, haben sich Leute gemeldet.

Katja Mruck: Ja. Und wirklich eine Irritation und also so –  also ich mein er kann es schon bald nicht mehr hören, weil ich es immer wieder erzähle –  aber es war meine Begeisterung. Ich dachte bis dahin, ich bin wirklich eine Professionelle, was qualitative Forschung angeht und ich bin auf das Internet gestoßen worden, habe gesehen: Ich bin einfach eine deutsche qualitative Psychologin und es gibt so viel auf der Welt und das ist bis heute faszinierend. Also Kontakt mit so vielen Menschen überall auf der Welt zu haben und zu sehen, dass dieses Projekt wirklich von mittlerweile doch einem relativ großen Team von Personen ehrenamtlich getragen wird, die da sehr viel Zeit und Aufwand reinstecken aber natürlich auf der anderen Seite auch was wir haben, weil es Open Access ist. Aber das ist schon Faszination eines Projekts gewesen und ist es weiter.

Philip Banse: Ok. Also ihr habt dann also 99 angefangen Aufsätze, Texte zu den beschriebenen Themen…

Katja Mruck: Ja.

Philip Banse: …. Nach den bestrebenden Kategorien ganz simpel, per HTML im Internet zu veröffentlichen. Damals gab es noch keine Feeds und RSS das war es alles noch nicht, sondern man musste auf eure Seite gehen und konnte diese Aufsätze lesen.
Jetzt heißt es heute: ihr macht, sagt ihr selber, die international größte, sozialwissenschaftliche Open Access Zeitung. Jetzt müsst ihr mal erklären: Was bedeutet Open Access?

Katja Mruck: Vor allem anderen, frei Zugang zur wissenschaftlicher Information. Ich weiß gar nicht, inwieweit es lohnt wirklich tief in die Geschichte zu gehen aber kurz vielleicht: Also entstanden ist es in nordamerikanischen Naturwissenschaften und ich glaube auch aus eher Zufällen der Entwicklung Internet (14:02). Das heißt da waren Physiker und Physikerinnen. Die haben sich angefangen Mails zu schreiben und haben Dateien angehängt und den Anderen zugeschickt und ausgetauscht und irgendwann war klar, dass es Sinn machen würde einen Ort zu haben, wo die liegen, dass alle drauf zugreifen können. Das war damals das Erste große Archiv, das es bis heute noch gibt, das aber gewechselt ist. Und daraus ist dann sukzessive so eine Open Access Bewegung entstanden.
Nächster Meilenstein ist sicher die Budapest Open Access Initiative gewesen, 2003. Da ging es drum, dass Open Access von da an wirklich aus den Naturwissenschaften raus, zumindest der Idee nach, Geistes-, Sozial- und Naturwissenschaften wurde und es sind damals auch klarer die beiden Wege benannt wurden. Das heißt also Publizieren in Open Access Zeitschriften: Goldene Weg. Oder Archivieren von Artikeln, die in kostenpflichtigen Zeitschriften veröffentlicht wurden, über Open Access Repositorien Dokumentenserver: Der grüne Weg.

Philip Banse: Ok. Das muss man kurz sagen, das ging jetzt ein bisschen schnell, ne?

Katja Mruck: Oh.

Philip Banse: Aber es gibt den goldenen Weg an Open Access und das heißt eine Arbeit, ein Aufsatz wird zunächst, wenn es geht ausschließlich, im Internet frei zugänglich für alle umsonst veröffentlicht.

Katja Mruck: Nicht so allgemein, ne?

Philip Banse: Nee?

Günter Mey: Der Punkt ist, das wenn – was Katja gerade als goldener Weg bezeichnet hat – reden wir über eine Zeitschriftenpublikation, das heißt ein Primärbeitrag. Also einer der noch nie vorher lesbar war, wird in einer Zeitschrift, in einer damit auch klar definierten Umgebung, frei verfügbar gemacht.

Philip Banse: Zeitschrift Online?

Günter Mey: Zeitschrift Online.

Katja Mruck: Ja.

Günter Mey: … frei verfügbar. Also jeder hat Zugriff darauf. Die einzige Einschränkung ist der Computer…

Philip Banse: Gut genau.

Günter Mey: … Das wäre dann Open Access. Wichtig ist an dieser Stelle wirklich zu betonen: Das handelt sich um eine Zeitschrift und damit haben wir es mit begutachteten Texten zu tun. Es geht nicht darum zu sagen: Ich habe einen Text geschrieben, den stelle irgendwohin oder lege ihn ab…

Philip Banse: Auf meine Website..

Günter Mey: … Genau. Das wäre aus dieser Perspektive zwar ein frei verfügbarer Text, wäre aber nicht der goldene Weg. Nicht einfach der Weg, nämlich irgendwie Texte qualitätsgeprüft zugänglich zu machen.

Philip Banse: Ups.. Was ist das denn? Achso mein Handy….

Katja Mruck: Oh.

Philip Banse: Wie unangenehm. Aber hat schon wieder aufgehört. Nee. Ich lasse es einfach mal klingeln.

Günter Mey: Und das Andere, was Katja den grünen Weg genannt hat, da geht es darum, dass wir Texte verfügbar machen können. Also jeder, der einen Text in einem Sammelband, einer Zeitschrift, die geprintet, also eine Print-Zeitschrift war, nachträglich ins Internet einstellt und damit verfügbar macht. Das wäre aber nicht mehr die Primärpublikation, sondern die Primärpublikation war ja eine Geprintete. Dann geht es nur drum, dass mehr Verbreitung, ein Text mehr Verbreitung erhält und damit verfügbar ist.

Philip Banse: Und beim goldenen Weg schließt es aus, dass das dann auch nochmal gedruckt wird?

Günter Mey: Nein. Also in unserem Falle ist es so, dass wir mit mehreren Zeitschriften kooperieren und es dann auch einfach möglich, aus unterschiedlichen Gründen, weil das wichtig ist im Austausch zu sein über teilweise Disziplingrenzen hinweg und in diesem Falle ist es auch so, dass wir häufiger Anfragen bekommen, ob Texte nicht nachgedruckt werden dürfen in Sammelbänden oder in anderen Zeitschriften.

Philip Banse: Aber ihr beschreitet in erster Linie den goldenen Weg. Also das heißt eure Texte werden begutachtet, dazu kommen wir gleich noch und dann erstmal und in der Regel ausschließlich bei euch veröffentlicht.

Katja Mruck: Genau. Open Access, also FQS ist eine Open Access Zeitschrift des goldenen Weges und der Aufwand war auch von Beginn an, also es war zwar sehr mühselig diese ganze Handarbeit zu machen, HTML und so. Der eigentliche Aufwand einer Zeitschrift ist natürlich Begutachtung und muttersprachliches Lektorat in drei Sprachen für eine Zeitschrift mit einer solchen disziplinären Breite zu organisieren. Das war auch schon 2000, wenn man so will, der Kern der Arbeit, die wir gemacht haben.

Philip Banse: Ok. Das heißt und wie muss man sich das vorstellen? Also wenn jemand. Ich bin jetzt Wissenschaftler und reiche bei euch einen Text ein. Ich frag vorher: Interessiert euch das und soll ich mal was schreiben und so und da sagt ihr ok mach mal. Dann reich ich den Text ein. Was passiert dann?

Katja Mruck: Also die Meisten fragen gar nicht. Also wir bekommen, weil wir sehr sichtbar sind, auch Texte, die nicht wirklich reinpassen. Also einfach, weil sie denken da ist eine Zeitschrift und reichen das ein. Aber gesetzt (18:09) wird das eingereicht, dann wird also geprüft: Ist er im Scope (18:13) von FQS, also geht es um qualitative Forschung? Und ist er nicht von vornherein schon erkennbar kein Text, der zur Begutachtung gehen sollte. Wenn es so ist, wobei ich jetzt von einer Sorte von Texten spreche, Günter wird vielleicht nachher nochmal sagen, welche anderen Rubriken wir noch haben. Also ich rede jetzt von Einzelbeiträgen. Wir haben auch noch Rubriken, Debatten und wir haben Schwerpunktthemen aber Einzelbeiträgen, wir nehmen an du hast den eingereicht, ist es so, dass der dann anonymisiert wird. Es werden zwei Gutachter ausgewählt oder Gutachterinnen. Die wissen nicht wer der Autor/ Autorin war und du als Autor würdest nicht wissen, wer die Gutachter/ Gutachterinnen sind, wobei das, wenn das sehr, sehr prominente Personen sind oder ein sehr, sehr enges Feld, natürlich sehr schwer ist mit der Anonymisierung. Danach werden die begutachten und werden dann zu einem Votum kommen, ob sie per se akzeptieren, ob sie mit nur kleinen Korrekturen akzeptieren, ob sie mit großen Korrekturen akzeptieren oder ob sie rückweisen. Es ist bei uns so, dass ca. 10 Prozent der Texte nur mit, also akzeptiert werden, ohne weitere inhaltliche Überarbeitung aber selbst dann ist noch einiges zu tun, was formale Dinge angeht…

Philip Banse: Ok.

Katja Mruck: … und muttersprachliches Lektorat. Das wäre der nächste Schritt. Also wenn der Text mit Revisionen versehen wird, dann bekommst du als Autor Rückmeldung, was zu verändern ist. Es wird dann verändert, wird nochmal geprüft.
Wenn das schließlich für die Veröffentlichung akzeptiert ist, folgt das muttersprachliche Lektorat und es ist bei uns so, dass wenn zum Beispiel du als deutscher Autor einen deutschen Text geben würdest, würdest du auch ein englisches Abstract geben. Wenn du es nicht könntest, würden wir es tun. Das würde dann von unseren Muttersprachlern geprüft und danach würde es von der spanischen Redaktion auch ins Spanische übersetzt, also Abstract.

Philip Banse: Also alle Texte erscheinen in drei Sprachen.

Katja Mruck: Nee, potentiell. Also wir akzeptieren Texte in den drei Sprachen, weil wir in der Lage sind Begutachtung und Lektorat in den drei Sprachen zu machen.

Philip Banse: Also Spanisch, Englisch, Deutsch.

Katja Mruck: Genau.

Philip Banse: Ich bin jetzt grad selber ein bisschen forsch vorangesprungen. Ich würde gerne nochmal was, bisschen generell sagen zu Open Access, weil da steht ja eine ganze, ja, stehen ja so ein paar grundsätzliche Gedanken dahinter. Welche sind das? Was ist so der, biologisch klingt immer so ein bisschen krass, aber was ist so der geistige Hinterbau, der Hintergedanke hinter Open Access?

Günter Mey: Ja. Eines der wichtigsten wäre sicherlich zu sagen es geht darum, wie wissenschaftliche Texte, als öffentliches Gut, auch für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Das ist sicherlich das bestimmendste Moment. Wir möchten einfach, dass Texte, die aus welchen Gründen auch immer von öffentlichen Relevanz sind, meistens dann auch mit öffentlichen Geldern gefördert, wiederum für die Fachöffentlichkeit, aber auch für die Öffentlichkeit frei zugänglich ist. Es gibt irgendwie in der Open Access Community ja genau immer diese Geschichte mit der Mehrfachsubventionierung von Forschung, dass nämlich eigentlich öffentliche Gelder dafür ausgegeben werden, dass Personen, die an öffentlichen Einrichtungen tätig sind, forschen, meistens bekommen sie noch Forschungsgelder – also wir sind in der zweiten Schlaufe der öffentlichen Finanzierung – dann schreiben sie einen wissenschaftlichen Text, der wird wiederum von anderen Kollegen, die ebenfalls von der Fachöffentlichkeit, äh von der Öffentlichkeit bezahlt werden begutachtet, dann werden sie in der Regel in einer Zeitschrift publiziert, die wiederum von Bibliotheken eingekauft wird und wiederum eigentlich aus öffentlichen Geldern. Das heißt eine…

Katja Mruck: Und wieder nur begrenzt zur Verfügung stehen am Ende.

Günter Mey: Genau und der Punkt ist, dass wir da über eine immens hohe Subventionierung von wissenschaftlichen Publikationen sprechen. Leider vor dem Hintergrund der sogenannten Zeitschriftenkrise, dass man einfach diese Zunahme an hohen Kosten für Zeitschriften mit der Konsequenz Abbestellung von Zeitschriften und dass eigentlich nicht mehr der Informationsfluss gewährleistet werden konnte, nämlich dass in ganz vielen Bibliotheken bestimmte Zeitschriften gar nicht mehr verfügbar waren, obwohl irgendwie sie relevant gewesen wären. Dann mehr und mehr die Frage war, wie kommen eigentlich Autoren wiederum ihre Ergebnisse in die Öffentlichkeit und können sie darstellen. Das wäre so der eine große Punkt.

Philip Banse: Das ist der eine große Punkt. Nur das ging auch wieder. Also ist nicht schlimm aber das ist sozusagen dieser Punkt: Öffentlich finanzierte Forschung soll für Öffentlichkeit zugänglich sein. Das ist sozusagen immer schon ein Problem gewesen und das wurde verschärft durch diese Zeitschriftenkrise, also wo die Zeitschriften immer teurer wurden und gleichzeitig in Zeiten knapper Kassen die Bibliotheken immer weniger Geld hatten, was zur Folge hatte, dass einfach immer weniger von diesen Zeitschriften tatsächlich auch zur Verfügung standen.

Günter Mey: Genau.

Philip Banse: Das war so ein bisschen. Das hat glaub ich dieser Bewegung auch nochmal so ein bisschen Schub gegeben oder? Das war so ein kleiner Katalysator. Wann war das? In was für einer…?

Günter Mey: Das war irgendwie Mitte der 90er.

Philip Banse: Ah ja.

Katja Mruck: Also ich weiß, dass ich an der Universität permanent Jahr für Jahr aufgefordert wurde, dass ich die Zeitschriftenliste bekam und ich hatte die Aufgabe 10 Zeitschriften zu streichen, wie jeder andere auch und am Ende waren jene Zeitschriften, die die meisten Voten bekommen haben, draußen. A hat sich die Anzahl, der zu streichenden Zeitschriften irgendwann erhöht und gleichzeitig wurden dann die Gelder irgendwie versucht nur noch für die zu anschaffenden Zeitschriften auszugeben. Es wurden aber auch gar keine Monografien mehr gekauft. Insofern handelt es sich darum, wenn man heute in Bibliotheken geht beziehungsweise in den 90ern gegangen ist, eher um moderne Antiquariate, als das es wirklich Zeitschriften oder einen Ordner, wo aktuelle Wissenschaft verfügbar ist. Vor diesem Hintergrund gab es dann sukzessive, neben dem eher Beschweren oder, dass jeder versucht hat seine Zeitschrift zu halten, irgendwann mehr und mehr ein Gefühl davon, dass es andere Möglichkeiten gibt überhaupt Wissenschaft zugänglich zu machen. Insofern fällt die Technologisierung über Computer, der (23:49) mehr und mehr Zugriff auch auf günstigere Programme zusammen mit der Zeitschriftenkrise, was dann versetzt gemacht hat, das mehr und mehr Texte einfach ins Internet gekommen sind. Allerdings immer noch mit der Maßgabe und das unterscheidet uns dann und macht irgendwie eventuell die Schwierigkeit deutlich, die wir hatten. Wer so früh wie wir irgendwie ins Netz gegangen ist, hatte eigentlich immer den Vorwurf, dass es möglicherweise eher Junk-Science ist. Nämlich keine Qualitätsgeprüfte. Also die wirkliche Information eigentlich doch immer noch die gedruckte Information ist. Und damit irgendwie war der erste Katalysator die Frage von oder die erste Motivation, die Frage öffentlich finanziertes Wissen muss frei verfügbar sein. Wenn Texte allerdings nicht verfügbar sind, ist ein Autor, seine Institution auch nicht mehr sichtbar. Die Frage der Sichtbarkeit war ein zweiter großer Aspekt von Open Access. Der Dritte ist sicherlich auch ein ideologischer (24:49) Moment, wenn man von Digital Devide spricht, nämlich die Frage: Wer kann überhaupt an Wissen partizipieren und wer nicht? Dann ist es irgendwann auch eine Frage von Zugänglichkeit zu Ressourcen und mit FQS schaffen wir es ja irgendwie auch vor dem Hintergrund von Deutsch, Englisch, Spanisch wiederum die Texte in Länder hinzuführen, die relativ seltenst eine Chance haben sonst an Informationen zu kommen, was ja auch wiederum eine Reaktion vieler Lesender (25:13) ist, die sich bei uns bedanken, dass sie überhaupt eine solche eine Fülle an guten Texten…

Philip Banse: Die kommen dann aus der ganzen Welt

Günter Mey: …weil sie aus der ganzen Welt irgendwie überhaupt den Zugang kriegen und wenn sie sagen bei uns sind die Bibliotheken im Grunde leer.

Philip Banse: In Bolivien oder Peru oder wo auch immer

Katja Mruck: Ja, also die kommen wirklich überall her. Wobei das hört sich an (25:29) als wäre das ja im Grunde sowas wie ein egoistisches und ein soziales Motiv. Ich glaube da spielen auch noch strukturelle Dinge eine Rolle, weil ohne das Internet wären wir nicht da wo wir sind. Also ich glaube, das was passiert und was Open Access in Anführungsstrichen auch teilweise angelastet wird hat was zu tun damit, dass früher in Print-Zeiten, wenn ich veröffentlichen wollte, brauchte ich Verlag und brauchte ich deren Vertrieb. Das war die einzige Chance sichtbar zu sein. Das heißt ich habe veröffentlicht, die Verlage haben dafür gesorgt, dass ein Buchhandel kam und so weiter. Das war draußen. Mit dem Internet sind andere Dinge passiert. Ich kann plötzlich, ohne irgendetwas zwischen zu schalten, direkt mit Kollegen und Kolleginnen in Kontakt kommen, sodass heute und ich glaube das ist so ein Punkt an dem es auch spannend wird und wo ich glaub zukünftig noch sehr, sehr viel in Bewegung geraten wird, das Gefüge der Rollen in diesem traditionellen Publikationsprozess hat sich grundlegend verändert. Wir haben mit FQS heute einen Verteiler, wenn ich jetzt nur die registrierten Leser und Leserinnen nehme, nicht die vielen, die wir noch über Mailinglisten informieren über neue Veröffentlichungen, haben wir einen Verteiler von  9.300 Personen, die überall auf der Welt sitzen. Das ist ein Verteiler und das Ermöglichen Distribution theoretisch auch nicht nur einer Open Access Zeitschrift, die natürlich heute hochinteressant wäre für die Verlage, die damals gesagt haben, wie geht denn das und die heute sich auch mit einer globalisierten Wissenschaft herumschlagen müssen. Das heißt aber, wir sind in diesen ganzen Distributionsteil als Wissenschaftler, das war vorher nicht unser Geschäft, reingekommen und sind heute ein Gutteil (27:01) Experten, Expertinnen in diesem Feld.

Matthias Andrasch: Um das Ganze auch noch ein bisschen rechtssicherer zu gestalten, haben wir jetzt nochmal an das Ende, in den Podcast direkt, also nicht in die Shownotes dazu, wenn die MP3 Datei halt heruntergeladen wird und irgendwie verteilt wird ohne Shownotes, auch nochmal den Lizenztext von einer Sprachausgabe, das war das Tool meSpeak.js, das ist ein Open Source Tool, haben wir einfach nochmal den kompletten Lizenztext gemäß der TULLU, also der TULLU-Regel, die sich aus den Creative Commons Lizenzen ergibt, einsprechen lassen. Deswegen jetzt nicht wundern, das Folgende wird jetzt ein bisschen gewöhnungsbedürftig aber so kann die MP3 Datei auch frei weiter gegeben werden. Unser Podcast steht ebenfalls unter einer Creative Commons BY 4.0 Lizenz übrigens.

Der genutzte Ausschnitt wurde bereitgestellt unter einer Creative Commons Lizenz,
Titel: KR 182 – Open Access,
Urheber: Philip Banse für  Küchenradio
Lizenz: Creative Commons 3.0 Namensnennung DE
Link zum Lizenztext:
Link zum Vorstellungsort: https://www.kuechenstud.io/kuechenradio/episode/kr_182-open-access/
Veränderung: Ausschnitt von Minute 14:20 bis 34:29 genutzt

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