Transkript der Podcast-Episode 15: OERlabs-Studierende über ihr Spielbrett-Projekt in Kaiserslautern

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00:06 Bence Lukács:
Hallo im Bildungsshaker Podcast, dem Podcast des BMBF Projektes OERlabs. Mein Name ist Bence Lukács. In dieser Folge hört ihr ein Gespräch mit zwei Studierenden aus den OERlabs in Kaiserslautern. Und Matthias spricht mit diesen Studierenden über Erfahrungen in den labs und das Projekt, was sie durch die labs gemeinsam entwickeln und bearbeiten. Viel Spaß.

00:46 Matthias Andrasch:
Erstmal super, dass ihr euch bereit erklärt habt. Könnt ihr euch erstmal ganz kurz vorstellen und was euch in den OERlab-Raum verschlagen hat?

Oliver Hust:
Willst du anfangen oder ich? … Ok ich fange an. (lachend)
Hi, ich bin Oliver Hust. Ich bin Student für Mathematik und Informatik auf Lehramt, hier an der TU Kaiserslautern und ich wurde einfach nur von einem guten Freund gefragt, ob ich mit ihm mitkommen möchte diese OERlabs machen und ich konnte mir darunter ehrlich gesagt nicht so viel vorstellen am Anfang und dann kam ich hier rein und es war einfach genau das, was ich mein Leben lang immer tun wollte. Diese Designsachen habe ich schon immer sehr gerne getan und da ich auch noch Lehramtler bin, Material für Schulen zu machen finde ich natürlich auch sehr spannend und weil ich auch noch Open Source-Fan bin, dass es auch noch Open ist und dass es darum geht, dass wir alle in einer Community unsere Ideen teilen, war einfach perfekt. Genau. Das ist so.

Feeodora Schreck:
Ja also ich bin die Feeodora Schreck und ich studiere Sozialkunde hier in Kaiserslautern und mein anderes Fach ist katholische Religion in Saarbrücken, also ich mache das innerhalb vom Südwestverbund und ich bin auf die Veranstaltung über Facebook gestoßen. Dort wurde nämlich die Veranstaltung angekündigt und da wurden dann auch noch kleine Video-Beiträge hochgeladen, die ich mir angesehen habe, wo schon einmal ein paar Einblicke drin waren, die mich halt angesprochen haben. In Bezug auf, ja, wo kriege ich Material her, was schon existiert und einfach diese ganzen Möglichkeiten, die da angesprochen wurden, die mir das Leben dann einfach vereinfachen würden. (lachend).

02:27 Matthias Andrasch:
Und jetzt sind wir beiden ja gerade hier aus Köln einfach mal reingestolpert in den Raum und haben gesehen, ihr arbeitet heute an einem… also es ist ja heute ein freiwilliger, offener Lab-Termin hier in der Bibliothek hier in Kaiserslautern…, jetzt arbeitet ihr hier an einem speziellen Produkt. Könnt ihr uns da ganz kurz durchführen, was ihr da gerade gemacht habt? Du hast ja gerade schon gesagt Gestaltung.

Oliver Hust:
(zustimmend/ zur Kenntnis nehmend) Mhmm.

Matthias Andrasch:
Und ich habe ja gesehen, ihr seid jetzt schon in den Versionen fortgeschritten. Aber vielleicht fangen wir erstmal an. Was ist das überhaupt?

Oliver Hust:
Ok, also die Grundidee war, wir möchten gerne Unterrichtsmaterial haben, damit Lehrer das Wissen ihrer Schüler abfragen können aber es ein bisschen spannender ist als immer nur der Frontalunterricht mit den Quizfragen.
Also haben wir uns verschiedene Spielsysteme erstmal in einem Brainstorming-Termin überlegt und kamen dann, nachdem wir uns verschiedene Gesellschaftsspiele angeschaut haben, Activity, auch Mario Party und so Sachen, kamen wir auf die Idee: Wir möchten ein Brettspiel haben. Das ist dann so etwas hier. Aber wir möchten es ein bisschen spannend machen, deswegen machen wir das, was im Game Design Risk Reward System genannt wird. Ein System, dass man seine eigenen Kompetenzen einschätzen kann und dann dementsprechend belohnt wird, wenn man es richtig gemacht hat oder, dass man halt entsprechend stehen bleibt. Also in diesem Spiel wird sich das dann so zeigen, dass man eine Frage… man steht auf einem Feld, zum Beispiel für das Feld für Literatur, für Sprachen und dann hat man die Wahl. Ich möchte entweder eine schwierige oder eine leichte Aufgabe haben. Und wenn man eine schwierige Aufgabe richtig beantwortet, dann kommt man halt weiter, als wenn man eine leichte Aufgabe richtig beantwortet. Und dadurch haben die Schüler halt zum Beispiel direkt diesen Selbsteinschätzungseffekt, wie gut sie sich in dem Fach einschätzen auch noch mit drin. Und dieses Spiel, das hat insgesamt fünf Kategorien. Wir haben dann das Spielfeld so gezogen und diese fünf Kategorien, die haben wir versucht möglichst frei zu gestalten. Das heißt es muss nicht unbedingt pro Kategorie ein Schulfach sein, sondern beispielsweise ein Deutschlehrer könnte sagen: Wir machen jetzt erstmal Epochen-Überblick heute. Dann kann der Deutschlehrer die Quizkarten, die so aussehen, haben wir auch die Vorlagen als OERs gemacht, kann der Deutschlehrer selbst gestalten…

Matthias Andrasch:
(zustimmend/ zur Kenntnis nehmen) Mhmm.

Oliver Hust:
… und die Fragen und Antworten auf die Rückseite schreiben und dann entsprechend sagen: Okay. Der pinke Kulli ist jetzt mal Romantik, das blaue ist Sturm und Drang und so weiter. Also da ist die Offenheit, gegenüber der Lehrperson, die das einsetzen will, relativ groß. Hoffen wir auf jeden Fall.

05:14 Matthias Andrasch:
(zustimmend/ zur Kenntnis nehmen) Mhmm. Was findest du jetzt besonders an der Idee spannend, wenn du dich da einbringst?

Feeodora Schreck:
Einmal die komplette Aufmachung. Also ich finde, dass es ansprechend ist und ich denke mal, dass es auch für die Schüler an sich einfach mal was anderes, Abwechslung eben bringt und sie sich halt selbst überprüfen können und das eben spielerisch. Und auch gerade der Aspekt in Bezug auf, dass es zwei unterschiedliche Schwierigkeitsgrade gibt, in denen man dann auch noch frei wählen kann, was davon man sich eher zutraut, kann da eigentlich auch dann jeder mitmachen. Und da es eben im Team ist (?), sind noch andere Kompetenzen einfach angesprochen, die dann dort mit eine Rolle spielen.

Matthias Andrasch:
(zustimmend/ zur Kenntnis nehmen) Mhmm.

Feeodora Schreck:
Ja.

06:05 Matthias Andrasch:
Und wenn ich jetzt… ich sag jetzt mal ich bin jetzt zum Beispiel auch angehender Lehramtsstudent, komme jetzt hier in den Raum reingestolpert und sage jetzt: Ja. Cool. Will ich auch machen. Was heißt denn dann jetzt konkret in dem Kontext… du hast schon gesagt, ihr habt das auch als OER gemacht, wie kann ich das denn weiterverwenden?

Oliver Hust:
Also zur Weiterverwendung gibt es ja… wir haben ja eine Lizenz draufgelegt, eine CC-Lizenz. Das heißt der Lehrer, der das… oder der angehende Lehramtsstudent, der das gerne weiterverwenden möchte, der hat das Recht dazu das selber zu remixen, darf also das was wir nehmen einfach bearbeiten und unter anderem unter seinem Namen, wenn er unseren Namen mit nennt, weiter veröffentlichen. Genau. Bezüglich der Weiterverwendung kann man noch vorschlagen, dass man vielleicht die einzelnen Symbole hier durch Bilder ersetzt. Also beispielsweise ein früherer Prototyp dieses Spielbretts. Der hatte Bilder drauf. Da kann zum Beispiel ein Lehrer, wenn er das Allgemeinwissen abfragt, verschiedene Bilder für verschiedene Schulfächer, Naturwissenschaften, Politik und so weiter drauflegen. Dann muss er halt aufpassen mit den Lizenzen für die Bilder. Deswegen: Das war ein früherer Prototyp davon. Da hatten wir zwar die lizenzfreien, die Bilder mit CC-Lizenz rausgesucht aber wir hatten einfach keinen Platz für die Quellen am Ende und außerdem war dadurch die Flexibilität eingeschränkt, da es Bilder mit relativ expliziten Inhalten waren. Und jetzt haben wir das offener gestaltet. Das heißt ein Symbol kann halt alles bedeuten. Genau.

08:02 Matthias Andrasch:
(zustimmend/ zur Kenntnis nehmen) Mhmm. Ich bin ja jetzt sozusagen hier rein gestolpert in Präsenz. Könnt ihr mir vielleicht sagen, wie ich das jetzt machen würde sozusagen, wenn ich jetzt wo anders sitze so? Also stellt ihr das zum Beispiel dann noch online bereit? Also wie können da… in Deutschland könnten da Lehrer drauf zugreifen und das auch verändern?

Oliver Hust:
Der Wunsch ist natürlich, dass man eine allgemeine Online-Plattform hat, ein großes Social Media Netzwerk, wo alle Lehrer in ganz Deutschland oder im ganzen deutschsprachigen Raum miteinander vernetzt sind. Unser Plan ist jetzt erstmal klein anzufangen. Aber eine große, große Plattform, wie beispielsweise, die Softwareentwickler haben Github, wo verschiedene Projekte gepostet werden. Dass man so etwas Ähnliches im Laufe der Zeit für Lehrer hat, das wäre natürlich wunderbar. Momentan würde die Veröffentlichung eher noch so privat verlaufen, wenn man es heute machen würde. Aber wie gesagt. Wir sind noch am Anfang.

08:58 Matthias Andrasch:
Könnt ihr mir da nochmal sagen, was das genau heißt? Also stellt ihr da irgendeine Datei bereit? Oder gibt es einen Editor, wo ich was eintrage? Also wie macht das dann ein Lehrer, der sich das selber ausdrucken will zum Beispiel und der sagt hier das Symbol finde ich jetzt für meine Schüler nicht so geeignet, ich will da ein anderes haben?

Oliver Hust:
Ja genau. Das ist das womit wir uns heute beschäftigen, die Frage: Wie kann man das gescheit bearbeiten? Zum Beispiel dieses Spielbrett ist in einem kommerziellen Programm designed wurden. Das ist für den Gedanken der Open Educational Ressources natürlich nicht so verträglich. Deswegen ist unser Plan heute das Spielbrett in eine Datei zu fassen, die mit einem kostenlosen Open Source Programm geöffnet werden kann. Damit genau, wie du schon gesagt hast, die einzelnen Dateien hochgeladen werden können, beispielsweise dieses Spielbrett hier als Beispiel als PDF aber dann das andere als SVG-Datei. SVG-Dateien kann man mit kostenlosen Programmen, wie zum Beispiel Inkscape öffnen und bearbeiten. Und dann dementsprechend die Symbole austauschen.

10:02 Matthias Andrasch:
(zustimmend/ zur Kenntnis nehmen) Mhmm. Das heißt also jede Lehrerin und jeder Lehrer in Deutschland könnte das machen. Wie ist denn da eure persönliche Meinung? Also ist das was, was wirklich dann den Lehrerinnen und Lehrern im Alltag helfen würde? Also ihr habt ja jetzt schon ein bisschen Erfahrung durch das Studium, braucht es sowas oder ist das vielleicht so, weiß ich nicht, eine Luxusdiskussion oder so?

Feeodora Schreck:
Also an sich die Veranstaltung, die wir hier besuchen finde ich, ist jetzt keine Luxusveranstaltung, sondern braucht man wirklich, weil man das dadurch einfach viel einfacher für sich dann auch als Lehrperson einfach hat, um schon auf Materialien eben zurückzugreifen und die halt abändern zu können auf das, was man eben braucht.
Und in Bezug jetzt auf das, was wir hier gestaltet haben, finde ich ist das im Alltag jetzt oder im Lehreralltag eben von Bedeutung, dass man sagt, wenn ich eine Vertretungsstunde habe, ist es doch besser, ich mach was Sinnvolles mit denen, als nur Unterhaltung, oder dass die sich mit sich selbst irgendwie beschäftigen und könnte dann immer auf dieses Spiel eben zurückgreifen, man kann es ja auch erweitern und ergänzen und dann lieber damit dann zu arbeiten.

Oliver Hust:
Ja. Also ich kann dem wenig hinzufügen.

11:27 Matthias Andrasch:
Ok. Dann würde ich euch nochmal ganz kurz euch nur bitten, dass ihr einmal vielleicht so ein paar Beispiele der Spielkarten zeigt, …

Oliver Hust:
Ja gerne.

Matthias Andrasch:
… weil die hatten wir jetzt noch gar nicht sozusagen.

Oliver Hust:
Ja. Also die Spielkarten haben die gleichen Symbole hinten drauf wie die Spielfelder. Und das ist zum Beispiel die mathematische Frage. Es gibt immer noch eine extra schwere Aufgabe, die dann durch diesen kleinen Hut gekennzeichnet ist. Die Emojis, die Symbole sind übrigens auch alle unter einer CC-Lizenz. Beispielsweise eine Mathe-Frage. Jetzt kann ich ja dein Wissen abfragen (lachend). Möchtest du die Einfache oder die Schwierigere?

Matthias Andrasch:
Ich möchte die Einfachere (lachend).

Oliver Hust:
Du möchtest die einfachere Frage. Ok. Dann ist die Frage: Was besagt der Satz des Thales?

Matthias Andrasch:
(lachend)

Oliver Hust:
Wir haben vier Antwortmöglichkeiten.
Die Möglichkeit a: Die Berechnung des Flächeninhaltes von Dreiecken.
Dann: Der Zusammenhang zwischen rechtwinkligem Dreieck und Halbkreis?
Eine Rechenregel für Restwertbestimmung bei der Division.
Oder ist es die die Zerfallsberechnung von radioaktiven Isotopen.

Matthias Andrasch:
Mhmm.

Oliver Hust:
Der Satz des Thales.

Matthias Andrasch:
Hast du mich erwischt. Ich würde b sagen.

Oliver Hust:
Ja der Satz des Thales ist tatsächlich der Zusammenhang zwischen rechtwinkligen Dreieck und Halbkreis. Kann man…

Matthias Andrasch:
Sehr gut. Und jetzt würde ich quasi durch gehen, eine.

Oliver Hust:
Genau.

Matthias Andrasch:
Jetzt wäre ich eins weiter.

Oliver Hust:
Nein so einfach ist es nicht.

Matthias Andrasch:
(lachend).

Oliver Hust:
Wir haben auch noch die Spielregeln unten extra abgedruckt und fett markiert, wie diese Weiterrückungsidee ist, wir haben die Spielfiguren hier. Man sucht sich halt eine Spielfigur aus. Die Spielfigur darf bei der Beantwortung einer einfachen Frage immer mindestens ein Feld vor. Wenn die Frage jetzt zum Beispiel falsch beantwortet gewesen wäre, würde die Figur nur eins weiterkommen. Bei der richtigen Antwort würde sie zwei weiterkommen. So, aber bei der Schwierigen ist es anders, bei der Schwierigen kommt die in dem Fall einer richtigen Beantwortung vier Felder vor. Eins, zwei, drei, vier. Genau.

Matthias Andrasch:
(zustimmend, zur Kenntnis nehmend) Mhmm.

Oliver Hust:
Aber falls es falsch beantwortet ist, stehen bleiben. Das wird vor allem am Ende immer richtig spannend. Wir haben das mal mit ein paar Leuten durchgespielt. Wie man es halt so macht, wenn man versucht ein Spiel zu entwickeln, muss man das ein paar Mal erst mal selber spielen. Und zum Beispiel in dieser Situation. Wir möchten, dass man im Ziel ist, wenn man über das Ziel hinausgeschossen ist. Wenn die beiden gleich auf sind und einer hat die Möglichkeit eine einfache oder eine schwierige Frage zu beantworten, dann wäre er mit der schwierigen Frage natürlich schon im Ziel aber wenn er die einfache Frage nimmt, dann hat er die Sicherheit, dass er seinem Ziel ein bisschen weiter ist und dann im Falle, dass der Andere, wenn er die schwierige Frage nimmt, stehen bleiben muss, garantiert durch die einfache Frage rein kann. Also…

Matthias Andrasch:
(zustimmend, zur Kenntnis nehmend) Mhmm.

Oliver Hust:
… es ist ein bisschen auch Strategie dahinter. Und außerdem gibt es zu diesem Spielbrett noch ein Add-On. Das ist dann das gleiche Spielbrett nochmal, was man dann nebendran legen kann und dann würde das Spielfeld wieder da einfach fortgesetzt werden. Genau.

14:27 Matthias Andrasch:
Cool. Dann habe ich doch noch eine allerletzte Frage. Ihr habt es jetzt gemeinsam schon getestet aber mit Schülerinnen und Schülern vermutlich noch nicht.

Oliver Hust:
Mit Schülerinnen und Schülern haben wir es nicht getestet. Wir haben auf so einer Messe auf so einem Event, haben wir verschiedene Zuschauer gebeten das mit uns durchzuspielen und haben da schon erste Eindrücke erhalten können. Aber wäre natürlich sehr wichtig das auch bei Schülerinnen und Schülern zu sehen, weil man erst in der Praxis wirklich die letzten Kinderkrankheiten noch beheben kann.

14:59 Matthias Andrasch:
Cool. Dann vielen, vielen Dank für die Vorstellung.

Oliver Hust:
Ja.

Matthias Andrasch:
Ich glaube ich habe es verstanden. Ich bin sehr glücklich, dass ich eine Frage richtig beantwortet habe

Feeodora Schreck (?):
Ja.

Matthias Andrasch:
…und freue mich auf die Endversion.

Oliver Hust:
Ja.

Matthias Andrasch:
Vielen Dank.

Oliver Hust:
Dankeschön.