Rückblick auf die GMW’17

Streng genommen waren Mandy und ich Anfang September nicht auf der Jahrestagung der Gesellschaft für Medien in der Wissenschaft (GMW), sondern auf der größeren Tagung „Bildungsräume“, die an der TU Chemnitz als gemeinsame Tagung mehrerer Fachgesellschaften (darunter Delfi) durchgeführt wurde. An dieser Stelle blicken Mandy und ich vor allem auf unsere gemeinsame Beteiligung an der Tagung infolge der Zusammenarbeit in den OERlabs zurück. Weitere Tagungseindrücke werden u.a. bei e-teaching.org gesammelt.

So haben wir während der Preconference an einem Workshop der Universitäten Duisburg-Essen und Hamburg zum Thema OER-Strategien für Hochschulen teilgenommen. Der Workshop wurde in Form eines Flipped Conference-Beitrags organisiert, weshalb vorab ein umfassender Einblick in alle beteiligten Projekte möglich war. Vor Ort wurden dann Fragen diskutiert wie:

  1. Welche Strategien verfolgen Hochschulen bei der Förderung von OER?
  2. Welche Ziele verfolgen Hochschulen mit dem Einsatz von OER?
  3. Welche Hindernisse müssen Hochschulen bei Implementierung überwinden?

Themen des Nachmittags waren dann persönliche Kompetenzentwicklung in/mit, die zugehörige technische Infrastruktur und Aspekte der Nachhaltigkeit. Hierbei waren die Erfahrungen der anderen Projekte durchaus interessant: Zum Beispiel gab es Ideen dahingehend, Lehrende durch Studierende als Expert*innen mit einer „OER-Brille“ bei der Erstellung von OER zu unterstützen oder es wurde die Idee diskutiert, OER mit in die Lehrevaluation aufnehmen. In unserem Beitrag zu den OERlabs haben wir uns eher für die adativ-evolutionäre Strategie stark gemacht, welche wir auch in unserem Synergie!-Beitrag beschrieben haben: Wir möchten durch die Unterstützung von Grassroot-Initiativen sehen, welche hochschulischen Praktiken sich ergeben und etablieren.

In unserem Beitrag auf der Hauptkonferenz, der zuvor eingereicht und nach dem Peer Review akzeptiert wurde, haben wir fokussiert, dass derzeit an vielen deutschen Universitäten und Hochschulen Labore entstehen. Neudeutsch heißen viele von ihnen Labs – wie unsere OERlabs. Dass dabei Labore ganz unterschiedlich ausgelegt werden können, erleben wir täglich in unserer Arbeit in und mit den OERlabs. Diese praktischen Erfahrungen haben wir zum Anlass genommen, hier nochmals tiefer in die Literatur zu schauen. Und siehe da: Tatsächlich hängt die Entstehung der Labore mit der Ver-Naturwissenschaftlichung von Universitäten zusammen. Entsprechend ist dann auch das Bild von Laboren, das wir zwangsläufig in den Köpfen haben, eher von denen der Naturwissenschaften geprägt. So denken die meisten an Lehr-Lernformate, wo sich Studierende und Lehrende im (physischen) Labor begegnen. Diese historische Prägung über alle Fächer hinweg ist nicht zuletzt deswegen so interessant, weil sie Ausdruck von Handlungspraktiken an Universitäten sind, die als Routinen kaum mehr hinterfragt werden. Gleichwohl lässt sich mindestens für die Erziehungswissenschaften oder die Pädagogik feststellen, dass mit den Werkstätten eine alternative Konzeption vorläge. Diese wird im akademischen Kontext aber noch weniger genutzt oder wenn, lassen sich lediglich schulische bzw. schulpädagogische Brücken schlagen oder konkreten Handlungstätigkeiten wie das Schreiben in Schreibwerkstätten wird geübt. Entsprechend hilfreich war und ist es, die unterschiedlichen Bilder von Laboren mit ihren zugehörigen Präfigurationen im Beitrag zu reflektieren. Diese Reflexion hat für uns nicht nur eine analytische Funktion, sondern sie trägt auch zur Gestaltung von Hochschule bei, öffnet man den Blick auch für (konzeptionelle) Pfade jenseits des Mainstreams.

Für die OERlabs haben wir uns konkret vorgenommen, sie mindestens in vierfacher Hinsicht als Labore zu denken:

  1. OERlabs als physischer Ort zur Auseinandersetzung mit Fachwissen. In der Lehrer*innenbildung, innerhalb derer die OERlabs primär angesiedelt sind, ist es weit verbreitet, angehenden Lehrer*innen schon in der Hochschule Möglichkeiten des Medieneinsatzes für Schule und Unterricht aufzuzeigen.
  2. OERlabs als physischer Ort der Begegnung. Ebenso wie das Labor ein physischer Ort zur Auseinandersetzung mit Fachwissen sein kann, kann er ein ebensolcher Ort zur Begegnung von Akteur*innen der Lehrer*innenbildung werden. In den OERLabs können Studierende z.B. mit Lehrer*innen gemeinsam Handlungsperspektiven der Medienintegration in der Schule ausloten.
  3. OERlabs zur Aneignung von Raum und offenen Bildungspraktiken. Versteht man die OERlabs eher als symbolischen Raum, gilt es diesen individuell und gemeinsam „mit Leben“ zu füllen. So kann es sein, dass sich manche Lehrende und Studierende die OERlabs in der o.g. Weise aneignen, andere sie eher als Makerspace für gemeinsame Coding- oder Hacking-Aktivitäten im eher informationstechnischen Sinne verstehen
  4. OERlabs als Weiterbildungs- und Innovationsraum für Akteur*innen des Third Space. Darüber hinaus bieten die OERlabs Räume für Weiterbildungsaktivitäten der Third Space-Einrichtungen an Hochschulen, weil sie vor dem Hintergrund einer aktuellen Diskussion vor der Anforderung stehen, sich einerseits selbst weiterzuentwickeln, andererseits aber auch bisheriges Wissen und bisherige Erfahrungen in die Gestaltung von Hochschulen einzubringen.

Prinzipiell sind alle Ausprägungen der OERlabs denkbar. Entsprechend offen sind die Labs in ihrer Konzeption. Diese Sichtweise auf Labore eröffnet uns Spielräume und lenkt den Blick auf die Erwartungen und Interessen der Akteur*innen selbst, wie sie sich (in unserem Fall) die OERlabs aneignen möchten. Abschließend halten wir es in hochschul- und mediendidaktischer Forschung und Praxis für wichtig, sich der eigenen Verständnisse von Laboren bewusst zu werden und eine Diskussion darüber zuzulassen, wie Akteur*innen eigentlich in den Laboren mit Themen, Problemen oder Methoden konfrontiert werden und wie auf diese Weise implizit oder explizit über Lernen (bzw. Kompetenzentwicklung) nachgedacht wird.

 

Creative Commons LizenzvertragGerne weiterverwenden! Dieser Artikel (Text) ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz. Der Urheber soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Sandra Hofhues und Mandy Schiefner-Rohs für oerlabs.de

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