„Wie sollte eine Schule auf dem Mars aussehen?“ – Auftakt des Multistakeholder-Dialogs in Köln

Vielen, vielen Dank an alle Teilgeber*innen, die sich mit uns auf eine Marsmission im Auftrag der Bildung vorbereitet haben! Das Team der OERlabs war begeistert von den intensiven Diskussionen, die rund um das aufgeworfene Marsszenario innerhalb von vier Stunden entstanden sind. Mit der Auftaktveranstaltung der Multistakeholder-Dialoge in Köln wurde nun offiziell der Countdown bis zur Abschlussveranstaltung am 5. Juli 2018 gestartet.  Der nächste Multistakeholder-Dialog findet am 11. Januar 2018 von 14 bis 18 Uhr im Alten Senatssaal, (Hauptgebäude, Albertus-Magnus Platz 1, 50931 Köln) im internen Kreis statt – ab Februar 2018 werden offene Labtermine stattfinden, die allen Interessierten offen stehen.

Ein kurzer Bericht der ersten Veranstaltung:

Begrüßung und Austausch über zeitgemäßes Lernen

Teilnehmer*innen tauschen sich über Begriffsdefinitionen zu zeitgemäßem Lernen von anderen Personen aus

Unser Projekt „OERlabs – (Lehramts-)Studierende gemeinsam für OER ausbilden“ verfolgt mit den Multistakeholder-Dialogen das Ziel, mehrere Stakeholder (Interessenvertreter*innen) zusammenzubringen, um gemeinsam Themen- oder Fragestellungen im Kontext von offenen Bildungsmaterialien und offenen Praktiken zu bearbeiten. Der Multistakeholder-Dialog in den OERlabs soll kein klassisches Gremium oder eine Arbeitsgruppe sein, sondern einen möglichst offenen Rahmen für Ideen, Fragen und neue Ansätze schaffen, welche kollaborativ entwickelt werden.

Die Teilnehmer*innen für den Multistakeholder-Dialog wurden von unserem Team nach bestimmten Kriterien ausgewählt. Es waren Personen aus folgenden Hochschulbereichen bzw. Einrichtungen involviert (alphabetische Reihung): die Departmentleitung Erziehungs- und Sozialwissenschaften, die Fachschaft Intermedia, das Forschungsmanagement, unsere Lehrbeauftragten für die BFP-Seminare, am Zentrum für LehrerInnenbildung; der Leiter Digitales Studium der UzK, der Prorektor für Lehre und Studium, die Rechtswissenschaftliche Fakultät, Studierende, insbesondere Lehramtsstudierende; die Universitäts- und Stadtbibliothek Köln, unsere Verbundpartner aus Kaiserslautern, die wissenschaftliche Personalentwicklung der UzK,  das Zentrum für Hochschuldidaktik,  das Zentrum für LehrerInnenbildung, das Zentrum Netzwerk Medien mit dem Schwesterprojekt „OERinForm“.

Prof. Dr. Stefan Herzig, Prorektor Studium und Lehre Universität zu Köln

Offiziell begrüßt wurden die Teilnehmer*innen durch ein kurzes und prägnantes Grußwort des Schirmherrn Professor Dr. Stefan Herzig (Prorektor für Lehre und Studium). Durch den Tag führte Moderatorin Prof. Dr. Sandra Aßmann (Professorin für Soziale Räume und Orte des non-formalen und informellen Lernens, Institut für Erziehungswissenschaft, Ruhr-Universität Bochum).

Für die Dialogveranstaltungen wurde eine Vereinbarung angelehnt an die Chatham House Rule geschlossen. Dies war uns insofern wichtig, da im Kontext von OER zwar eine möglichst hohe Offenheit angestrebt wird, methodische Konsequenzen von Offenheit sowie die Bearbeitung sensibler Hochschulthemen unserer Ansicht nach aber stets kontextuell beachtet werden müssen:

Chatham House Rule Plakat
Aushang, Quelldatei und Lizenz siehe unten
Impulsvortrag von JProf. Dr. Mandy Schiefner-Rohs

Anschließend folgte ein 20-minütiger Impuls von Jun.-Prof. Dr. Mandy Schiefner-Rohs (Professorin für Pädagogik mit Schwerpunkt Schulentwicklung und Verbundpartnerin der OERlabs) zum Thema „Schule gestalten“, welcher den Blick für Bildungsdiskussionen, Schulräume und die großen Fragen rund um Schule öffnete. Die Folien des Impulsvortrags folgen.

Der Einstieg in den Dialogprozess fand dann über eine Definitionsarbeit statt: Zu den fünf Begriffen 1) Zeit, 2) Raum, 3) Tempo, 4) Lernpfade und 5) Vernetzung sollten die Teilnehmer*innen eigene Definitionen finden und Gedanken auf einer Moderationskarte notieren. Das Notierte wurde danach (im Uhrzeigersinn) an einen andere Person weitergegeben. Schließlich wurden die fremden Karten mit einer abermals anderen Person gemeinsam diskutiert. Die Begriffe waren hierbei angelehnt an den Blogbeitrag von Philippe Wampfler bzw. die Grafik „Zeitgemäßes Lernen“, welche von Angelica Laurencon und Anja C. Wagner stammt.

Das Mission Statement und vier Säulen

Eingeleitet wurde die zweite Hälfte des Dialogs mit einem Videoimpuls:

Mit Bezug auf den kontrovers diskutierten Elon Musk (Firmengründer von SpaceX und Tesla) wurde das Szenario aufgeworfen, dass die Reise zum Mars ab 2018 nun möglich ist und eine Schule auf dem Mars aufgebaut werden soll. Die Teilnehmer*innen sollten die Expert*innen-Gruppe bilden, welche die Marsunternehmung zu schulischen Fragen beraten sollte und eine Schulutopie für den Mars gemeinsam erarbeitet. Das mögliche Potenzial einer solchen Mission: Auf dem roten Planeten gelten bisher keine Gesetze, Vorschriften oder andere Zwänge des Alltags von Erdenbürger*innen. Folgende Regeln wurden den Teilnehmer*innen für die Utopiephase vorgeschlagen:

Regeln für utopisches Denken
Aushang, Quelldatei und Lizenz siehe unten

Völlig zu recht kam anschließend die Frage aus dem Plenum, ob physikalische Besonderheiten des Planeten Mars ebenfalls im Detail beachtet werden sollten. Moderation Sandra Aßmann verwies darauf, dass hier nicht ganz detailgetreu und in den Tiefen der Physik aufgrund der knappen Zeit diskutiert werden müsse. Die Schulutopien sollten konkret anhand von vier Säulen erarbeitet werden:

  1. Schüler*innen
  2. Lehrendenschaft
  3. Schulmanagement
  4. Infrastruktur

Die Säulen waren jeweils durch Stellwände repräsentiert und wurden zwischen den Gruppen ausgetauscht, sodass jede Gruppe in vier Runden jeweils eine Säule bearbeiten konnte. Praktischerweise bot der Repräsentationssaal der der Universität zu Köln ebenfalls vier Säulen, an denen nochmals alle Informationen für die Utopiephase kompakt ausgehängt wurden. Für die Arbeitsphase stand den Teilnehmer*innen ein Zeitraum von ca. 1,5h zur Verfügung. Die Arbeitsphase wurde von einem Stream von der ISS untermalt, die Musik war hierbei sogar OER-kompatibel unter CC-BY-Lizenz (laut Videobeschreibung).

Das gemeinschaftliche Ergebnis

Nach vier Runden fand sich auf den vier Stellwänden ein erstes gemeinschaftliche Ergebnis. Den Entstehungsprozess zur Utopie von Schule kann man sich hier exemplarisch anschauen, die Inhalte/Fotos stehen unter CC0-Freigabe

Die Rahmung und Ausblick

JProf. Dr. Sandra Hofhues “reframed” die Veranstaltung

Am Abschluss wurde die Moderation an das OERlabs-Team, d.h. an Jun.-Prof. Dr. Sandra Hofhues, Bence Lukács und mich, Matthias Andrasch, übergeben. Anhand der einzelnen Arbeitsphasen wurde aufgezeigt, dass die Teilnehmenden bereits OER-Praktiken wie Kommunikation, Teilen von Zwischenergebnissen, Kollaboration, Bearbeitung und Remix angewendet haben – ohne, dass dies expliziert wurde im Vorfeld. Diese Form der Auflösung war sicherlich für die meisten Anwesenden überraschend, lenkten wir den Fokus doch zunächst auf die Schule und damit zusammenhängende Utopien. Über den „Umweg“ der inhaltlichen Auseinandersetzung gelang es es aber rückblickend und angesichts des Feedbacks vieler Teilnehmender gut, gegenwärtige Diskussionen über Medien in der Lehrer*innenbildung zu re-framen zugunsten der utopiegeleiteten Beschäftigung mit dem Thema und der Integration von offenen Handlungspraktiken ins eigene Tun. Diese Erfahrung ist – ganz gleich in welchem Medium – zentral, um die zentralen Prinzipien von OER zu begreifen und zu bemerken, dass offene Praxis mitunter nicht so weit entfernt von eigenen Vorstellungen bzgl. Lernen, Wissensweitergabe oder Zusammenarbeit ist.

Als Ausblick wurde der nächste Kerntermin am 11. Januar genannt sowie die offene Einladung ausgesprochen, dass alle Teilnehmer*innen je eine weitere Person der Universität zu Köln vorschlagen können für die Teilnahme. Zudem wurde auf die offenen Labtermine hingewiesen, welche ab Februar 2018 allen Interessierten offen stehen werden – also nicht nur Personen der Universität zu Köln. Alle Termine finden sich stets aktuell hier. Eine abschließende Feedbackmöglichkeit für Teilnehmer*innen wurde durch ein „One minute paper“ ermöglicht, ehe wir alle Teilnehmenden in den wohl verdienten Feierabend schicken konnten.

Eine abschließende Feedbackmöglichkeit für Teilnehmer*innen die  wurde ganz zum Abschluss durch ein „One minute paper“ ermöglicht.

Fazit

Mit dem ersten Multistakeholder-Dialog ist für uns ein erster, wichtiger Schritt geschafft: Der Dialogprozess mit unterschiedlichen Akteur*innen von Hochschule wurde offiziell gemeinsam initiiert. Nun gilt es, den gemeinschaftlichen Prozess weiter zu gestalten. In nicht zu weiter Ferne liegt das Abschlussevent am 5. Juli 2017, auf das wir schon jetzt aufmerksam machen. Wir danken sehr für das Mitdenken und Mitmachen, das erhaltene Feedback und die Ideen zur weiteren Gestaltung des Dialogprozesses. Gerne lassen wir diese in den zweiten Dialogtermin einfließen. Infos dazu folgen in Kürze.

Wir hoffen und bauen sehr auf die weitere aktive Teilhabe durch die eingeladenen Akteur*innen sowie alle Interessierten an der Universität zu Köln. Vielen Dank!

Impressionen

Fotografin: Maren Schmiedt, Fotos nur für Projektdokumentation (nicht unter freier Lizenz)

Folien / Grafiken / AUSHÄNGE

Präsentationsfolien (Lizenzhinweise auf der letzten Folien):

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